Sonntag, 19. April 2015

Der April

 ▪         SONNENBLÜMLE         










Richard Edward Miller 1917



Der Regen klimpert mit einem Finger 
die grüne Ostermelodie. 
Das Jahr wird älter und täglich jünger. 
O Widerspruch voll Harmonie! 

Der Mond in seiner goldnen Jacke 
versteckt sich hinter dem Wolken-Store. 
Der Ärmste hat links eine dicke Backe 
und kommt sich ein bisschen lächerlich vor. 
Auch diesmal ist es dem März geglückt: 
er hat ihn in den April geschickt.

Und schon hoppeln die Hasen, 
mit Pinseln und Tuben 
und schnuppernden Nasen, 
aus Höhlen und Gruben 
durch Gärten und Straßen 
und über den Rasen 
in Ställe und Stuben. 

Dort legen sie Eier, als ob's gar nichts wäre, 
aus Nougat, Krokant und Marzipan. 
Der Tapferste legt eine Bonbonniere, 
er blickt dabei entschlossen ins Leere - 
Bonbonnieren sind leichter gesagt als getan! 

Dann geht es ans Malen. Das dauert Stunden. 
Dann werden noch seidene Schleifen gebunden. 
Und Verstecke gesucht. Und Verstecke gefunden: 
Hinterm Ofen, unterm Sofa, 
in der Wanduhr, auf dem Gang, 
hinterm Schuppen, unterm Birnbaum, 
in der Standuhr, auf dem Schrank. 

Da kräht der Hahn den Morgen an! 
Schwupp sind die Hasen verschwunden. 
Ein Giebelfenster erglänzt im Gemäuer. 
Am Gartentor lehnt und gähnt ein Mann. 
Über die Hänge läuft grünes Feuer 
die Büsche entlang und die Pappeln hinan. 
Der Frühling, denkt er, kommt also auch heuer. 
Er spürt nicht Wunder noch Abenteuer, 
weil er sich nicht mehr wundern kann. 

Liegt dort nicht ein kleiner Pinsel im Grase? 
Auch das kommt dem Manne nicht seltsam vor. 
Er merkt gar nicht, dass ihn der Osterhase 
auf dem Heimweg verlor.

Erich Kästner


! Doch bald ist's vorbei mit dem April, dann folgt der Mai !



© MKF


                        
Herzlichst
Ihr
SONNENBLÜMLE

Wünsche einen schönen Tag und 
ein sonniges Grüssle vom Sonnenblümle!