Donnerstag, 5. März 2015

Lusamgärtchen Frühlingslieder

SONNENBLÜMLE






Fortsetzung: Lusamgärtlein zu Würzburg.

- Widmung -

Frühlingslieder aus Franken
Dem Andenken Walters von der Vogelweide und seinem "Lusamgärtlein" in Würzburg.



Japan 1908, ohne Titel Veilchenzeit

Die Veilchenzeit wird mir Liedermeister

Die welschen Bildergedanken verwehen,
Wenn du und ich auf den Hügeln in Franken
An der Landstraß' dem Märzwind entgegenstehen.
Mehr als goldne Pagoden gilt Heimatgras.
Wenn über den kühligen Vorfrühlingsboden
Die Düfte der Veilchen umgehen wie Geister,
Nicht länger ich dann mehr die Fremde begehre,
Nicht Tropenerde, die feuerbergschwere,
Die Veilchenzeit wird mir Liedermeister.

Noch ist die Zeit der blauen Bäume

Noch ist die Zeit der blauen Bäume,
Sie schauen mit kahlem Geäst
Weit in die funkelnde Ewigkeit
Und halten sich kahl am Himmelsblau fest.
Und nur die Wolken, weiß und breit,
Bauen im blauen Baum ihr Nest.
Die Winde fegten fort verjährten Blätterrest,
Und dein Auge im Baum weiten Raum hat
Für der verliebten Gedanken luftige Lagerstatt.

Und Sonne und Erde sind wieder vertraut

Nun halten die Spatzen laut Schule am Dach,
Die Fenster sind wach, und der Morgen blaut,
Der Himmel neuangekommen ausschaut.
Die Sonne ist durch den Äther geschwommen,
Und Sonne und Erde sind wieder vertraut,
Und jeder Fink pfeift seiner Braut.
Auch ich find' keine Ruhe in der Haut;
Vom Fleck rückt gern der Fuß im Schuh
Und wandert auf zwei Augen zu.

Ein Herz auch der Fischhaut schnell schlägt

Der glänzende Mittag zum Fluß sich legt,
Jede Well' trägt ein Krönlein silberhell und erregt,
Und das Wasser zieht aus wie ein Festzug bewegt.
übern Fluß tanzt die Sonne auf hitzigem Fuß,
Als ob heut jeder Fisch eine Braut haben muß,
Und ein Herz auch der Fischhaut schnell schlägt.
Hecht und Aal sie verbreiten die Liebeskunde,
Und der Fluß erscheint jetzt zur Mittagsstunde
Wie ein Hochzeitssaal und beleuchtet die Runde.

Vom Gras der erste Schimmer

Vom Gras der erste Schimmer,
Als fiel vom grünen Seidenkleid meiner Liebsten
Auf den braunen Wegrand ein grüner Glimmer.
Bald gehen ihre und meine Schuhe ohne Ziel
Durch die grüne Ruhe im Feld immer weiter, immer,

Dann holen die Nachtigallen zum Liebesspiel
Alle Lieder aus dem Berg, wie aus einer eisernen Truhe.
Alles das und noch mehr verspricht von dem bißchen Gras
Der erste Schimmer.

Bis zum Abend bleibt die Sonne jetzt am Haus

Bis zum Abend bleibt die Sonne jetzt am Haus,
Es geht ihr das Frühlingsfeuer lang nicht aus.
Sie schreibt goldene Schrift an jedes Gemäuer,
Und jeder Grashalm auf der jungen Trift ist ihr teuer.
Sie hält die Aprilwolken, die schweren, umschlungen;
Und ist sie fern wie ein Lied, und zögernd im Leeren verklungen,
Und kommt der Abend grau an mein Zimmer heran,
Als ob jedes Glück meine Schwelle mied,
Dann zündet mir die Liebste die Helle ihres Herzens an.

In der Nacht sind der Leidenschaft lautlose Feste

Der Viertelmond fällt wie ein Türkenschwert,
Wie eine Fackel, die einer zum Berg hinhält,
Und legt heimliches Feuer an die nächtliche Welt.

Kein Stern sich von der Stelle regt,
Still steht die Nacht und unbewegt,
Wie ein Haupt, das unter das Schwert sich legt.

Und, als hat ein Fieber die Welt verzehrt,
Keine Kraft, keine Geste der Todstille wehrt, -
In der Nacht sind der Leidenschaft lautlose Feste.

Max Dauthendey

Fortsetzung folgt: Frühlingslieder.


Japanart, 1908, ohne Titel, Veilchenzeit



Herzlichst Ihr

SONNENBLÜMLE
Wünsche einen schönen Tag und ein sonniges Grüssle vom Sonnenblümle


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