Dienstag, 3. Juni 2014

BLUMENLIEDER

SONNENBLÜMLE





Claude Monet, eine Ecke im Garten von Montgeron, 1877




Blumenlieder

I. Lilie

Es stand die weiße Lilie im Garten ganz allein,
Und auf den Blättern glänzte der Sommersonnenschein.
Sie trug in ihrem Kelche ein lichtes Kreuz von Gold,
Das schimmerte und blitzte im Sonnenlicht so hold.
Die weißen Blätter lagen wie Atlas darum hin,
So stand geschmückt die Blume wie eine Königin.
Und eine Menschenblume, ein zartes holdes Kind,
So lieblich wie die Elfen der deutschen Märchen sind,
Mit tiefen dunklen Augen, mit Händen schlank und weiß,
Die stand wohl vor der Blume und flüsterte ganz leis‘:
„Sag mir, du hohe Lilie, gast niemals du geliebt?
Kennst nicht das tiefe Beben das so viel Leiden gibt.
Hast niemals du gezittert bei einer Stimme Klang?
Im wachen Traum geweinet die dunklen Nächte lang=“
Es hob de Lilie leise die ernste Antwort an.
Sie flüsterte errötend: „Sie meine Blätter an,
So tief, wiedrin verborgen das goldne Kreuzchen ruht,
So tief soll stehn im Herzen die Lieb in Gottes Hut,
So wie ich es verhülle mit meiner Blätter Schein,
So soll die Lieb verborgen im Mädchenherzen sein.
So hüte deine Schätze ganz still im Innern dein,
Schließ sie wie eine Perle so keusch und heilig ein,
Und nur zu einem Menschen von deinem Kleinod sprich,
Wenn bebt von seinen Lippen das Wort: „ich liebe dich!“

II. Hyazinthe

Feiner Duft erfüllt das Zimmer,
Süßer Hyazinthenduft:
Draußen liegt der Schnee in Massen,
Weht die raue Winterluft.

Drinnen Blumenhauch und Wärme,
Draußen Kälte, Schnee und Eis –
Träumend schaut die fremde Blume
Auf die Flur so tot und weiß.

Schüttelt leis‘ die duft’gen Glocken.
Draußen ist’s so kalt, so kalt,
Und doch leben alle Blumen
Unterm Schnee in Feld und Wald.

Weckt mich hier die milde Wärme
Und der matte Sonnenschein,
Schlafen draußen meine Schwestern
Unter dichter Decke ein.

Wenn der Frühling kommt hernieder
Hell und freundlich in die Welt,
Dann erwachen Alle wieder,
Die der Schnee gefangen hält.

Freuden sich an warmer Sonne,
An der Erde Blütenkleid,
Neigen sich im weichen Winde,
Grün ist Alles, weit und breit –

Nur ich bin dann längst entblättert,
Bin vergessen und versäumt –
War es wirklich denn ein Leben,
Das ich einsam hier verträumt?

III. Rose

Rose steht allein im Garten,
Ist so jung, so morgenschön!
Schmetterling und Vögel nahen
Sie bewundernd anzusehn!

Rose spricht in tiefen Träumen,
Bin hier, ach, so ganz allein,
Nenne in der Näh und Ferne,
Nicht ein einzig Herze mein.

Liebe nicht die Schmetterlinge,
Sind sie gleich so schön und zart,
Liebe nicht die muntern Vögel
Jubelvolle, laute Art.

Kam die schlanke Maid gegangen,
Rosig wie ein Frühlingstag,
Hell in ihren klaren Augen
Eine Träne schimmernd lag.

Neigt sich nieder zu der Rose,
Küsst sie leise auf den Mund,
Und die helle Perle rollte
In der Blume Purpurgrund.

Schloss die Rose, heiß errötend,
Fest den Tropfen in sich ein:
„Mädchenträne, licht und lauter
Und wie Gottes Sonne rein,

Liebe dich von ganzem Herzen
Perlenheller Tropfen Tau,
Der du mir allein gegeben
Von dem Aug der holden Frau.“

„Nicht vom Auge, süße Rose,“
Sprach die Träne klar und rein
„Bin im  H e r z e n  tief geboren,
Drin die Lieb gezogen ein!

Liebe hebt die hellen Perlen
Aus dem tiefsten Herzen los,
Liebe trug mich, süße Rose,
Still in deinen duft'gen Schoß.“

Ida von Conring






Herzlichst Ihr


SONNENBLÜMLE
Wünsche einen schönen Tag und ein sonniges Grüssle vom Sonnenblümle


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