Dienstag, 27. Mai 2014

Die Gunst des Augenblicks

SONNENBLÜMLE





KUNST & GEDICHTE

CASPAR DAVID FRIEDRICH, Neu Brandenburg 1817.




Und so finden wir uns wieder 
In dem heitern bunten Reihn, 
Und es soll der Kranz der Lieder 
Frisch und grün geflochten sein. 
Aber wem der Götter bringen 
Wir des Liedes ersten Zoll? 
Ihn vor allen lasst uns singen, 
Der die Freude schaffen soll.
Denn was frommt es, dass mit Leben 
Ceres den Altar geschmückt? 
Dass den Purpursaft der Reben 
Bacchus in die Schale drückt?

Zückt vom Himmel nicht der Funken, 
Der den Herd in Flammen setzt, 
Ist der Geist nicht feuertrunken, 
Und das Herz bleibt unergötzt.

Aus den Wolken muss es fallen, 
Aus der Götter Schooß, das Glück, 
Und der mächtigste von allen 
Herrschern ist der Augenblick.

Von dem allerersten Werden 
Der unendlichen Natur 
Alles Göttliche auf Erden 
Ist ein Lichtgedanke nur.

Langsam in dem Lauf der Horen 
Füget sich der Stein zum Stein, 
Schnell, wie es der Geist geboren, 
Will das Werk empfunden sein.

Wie im hellen Sonnenblicke 
Sich ein Farbenteppich webt, 
Wie auf ihrer bunten Brücke 
Iris durch den Himmel schwebt,

So ist jede schöne Gabe 
Flüchtig wie des Blitzes Schein; 
Schnell in ihrem düstern Grabe 
Schließt die Nacht sie wieder ein.

Friedrich von Schiller





Herzlichst Ihr

SONNENBLÜMLE
Wünsche einen schönen Tag und ein sonniges Grüssle vom Sonnenblümle


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