Montag, 21. April 2014

Ostergedichte

SONNENBLÜMLE




Ostergrüße, alte Ansichtskarte.


OSTERGEDICHT(L)E


"Henne oder Ei?"

Die Gelehrten und die Pfaffen
streiten sich mit viel Geschrei,
was hat Gott zu erst erschaffen -
wohl die Henne, wohl das Ei!
Wäre das so schwerzu lösen -
erstlich ward ein Ei erdacht,
doch weil noch kein Huhn gewesen -
darum hat's der Has' gebracht!

Eduard Mörike. 1804-1875

" Ostern "

Da ist nun unser Osterhase!
Er stellt das Schwänzchen in die Höh
und schnuppert hastig mit der Nase
und tantz sich einen Pah de döh!

Dann geht er wichtig in die Hecken
und tut, was sonst nur Hennen tun:
Er möchte sein Produkt verstecken,
um sich dann etwas auszuruhn.

Das gute Tier! Ein dicker Lümmel
nahm ihm die ganze Eierei
und trug beim Glockenbammelbimmel
sie zu der Liebsten nahebei.

Da sind sie nun. Bunt angemalen
sagt jedes Ei:' Ein frohes Fest! *
Doch unter ihren dünnen Schalen
liegt, was sich so nicht sagen lässt.

Iss du das Ei! Und lass dich küssen
zu Ostern und das ganze Jahr...
Iss nun das Ei! Und du wirst wissen,
was drinnen in den Eiern war!

Kurt Tucholsky, 
1890-1935



Fröhliche Ostern

Da seht aufs neue dieses alte Wunder: 
Der Osterhase kakelt wie ein Huhn 
und fabriziert dort unter dem Holunder 
ein Ei und noch ein Ei und hat zu tun.
Und auch der Mensch reckt frohbewegt die 
Glieder – er zählt die Kinderchens: eins, zwei und drei ... 
Ja, was errötet denn die Gattin wieder? 
Ei, ei, ei 
ei, ei 
ei!

Der fleißige Kaufherr aber packt die Ware 
ins pappne Ei zum besseren Konsum: 
Ein seidnes Schnupftuch, Nadeln für die Haare, 
die Glitzerbrosche und das Riechparfuhm.

Das junge Volk, so Mädchen wie die Knaben, 
sucht die voll Sinn versteckte Leckerei. 
Man ruft beglückt, wenn sies gefunden haben: 
Ei, ei, ei 
ei, ei 
ei!

Und Hans und Lene Steckens in die Jacke, 
das liebe Osterei – wen freut es nicht? 
Glatt, wohlfeil, etwas süßlich im Geschmacke, 
und ohne jedes innre Gleichgewicht.

Die deutsche Politik ... Was wollt ich sagen? 
Bei uns zu Lande ist das einerlei – 
und kurz und gut: Verderbt euch nicht den Magen! 
Vergnügtes Fest! Vergnügtes Osterei!

Kurt Tucholsky


Und noch so eines von Kurt Tucholsky unter dem Namen Theobald Tiger publiziert!


Fröhliche Ostern!
Von Theobald Tiger

Ei, ei!
In einer Reih
legen die fleißigen Hasen
wohl auf den grünen Rasen

hervorragend bunte Ostereier –
denn der freie Handel wird stets freier,
und so legt denn heuer das Hasensyndikat
über acht Stunden von früh bis abends spat.
Wenn wir Menschen uns aber die Eier begucken:

ja, was haben die Hasen nur diesmal für Mucken?
Da steht „Räterepublik“ auf einem Ei geschrieben,
das ist um und um mit brandroter Farbe eingerieben.
Auf einem steht: „Uns Nationalen gehts zuzeit sehr mau!“
Und dieses Ei ist mit Recht ganz und gar knallblau.

Und auf einem ist zu lesen, daß so weiß wie dies Ei
auch die Unschuld der Herren alldeutschen Kriegspolitiker sei.
Und wieder auf einem steht groß und dick und kühn:
„Deutschlands Zukunftshoffnung“ – und das ist grün.
Und es sagte mir eines der kleinen Hasentierchen:

„Dir und deinen lieben Deutschen zum Pläsierchen
täte ich gern etwas gegen den innern Krieg –
denn ich kleiner Hase, ich liebe die deutsche Politik!“
Und ich sagte: „Herr Hase, meinetwegen!
Also: dann müssen Sie Rühreier legen!“

Na, finden Sie vielleicht was dabei?
Allerseits: Fröhliche Ostern!
Ei, ei! Ei, ei!



Ulk. Wochenbeilage zum Berliner Tageblatt
48.1919
Seite: 054



Detail der Seite aus dem ULK.

FROHE OSTERN.

Frühlingsblüher.

Herzlichst Ihr

SONNENBLÜMLE
Wünsche einen schönen Tag und ein sonniges Grüssle vom Sonnenblümle


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