Sonntag, 9. Februar 2014

Gedichte

SONNENBLÜMLE




Gedichte zu den Frühblühern wie Schneeglöckchen und Palmkätzchen:




Die Weidenkätzchen

Kätzchen, ihr, der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
O ihr Silberkätzchen,

sagt mir doch, ihr Schätzchen,
sagt, woher ihr stammt.

"Wollen's gern dir sagen:
Wir sind ausgeschlagen
aus dem Weidenbaum;

haben winterüber
drin geschlafen, Lieber,
in tieftiefem Traum."

In dem dürren Baume
in tieftiefem Traume

habt geschlafen ihr?
In dem Holz, dem harten,
war, ihr weichen, zarten,
euer Nachtquartier?

"Mußt dich recht besinnen:

Was da träumte drinnen,
waren wir noch nicht,
wie wir jetzt im Kleide
blühn von Samt und Seide
hell im Sonnenlicht.

Nur als wie Gedanken
lagen wir im schlanken
grauen Baumgeäst;
unsichtbare Geister,
die der Weltbaumeister
dort verweilen läßt."

Kätzchen, ihr, der Weide,
wie aus grauer Seide,
wie aus grauem Samt!
O ihr Silberkätzchen,
ja, nun weiß, ihr Schätzchen,
ich, woher ihr stammt!

 Christian Morgenstern




Schneeglöckchen

‘S war doch wie ein leises Singen
in dem Garten heute Nacht,
Wie wenn laue Lüfte gingen:
“Süße Glöcklein, nun erwacht,
denn die warme Zeit wir bringen,
eh’s noch jemand hat gedacht.”-
‘S war kein Singen, ‘s war ein Küssen,
rührt’ die stillen Glöcklein sacht,
dass sie alle tönen müssen
von der künft’gen bunten Pracht.
Ach, sie konnten’s nicht erwarten,
aber weiß vom letzten Schnee
war noch immer Feld und Garten,
und sie sanken um vor Weh.
So schon manche Dichter streckten
sangesmüde sich hinab,
und der Frühling, den sie weckten,
rauschet über ihrem Grab.

Joseph von Eichendorff


Schneeglöckchen

Sie ist erwacht,
des Winters einzige Blume.
In Tod und Nacht
träumte die stumme
Botin des Frühlings
von Licht und Leben.

Wie sie sich heben
alle die sprießenden Spitzen,
zum Himmel bange
bebend sich richten!
aber droben
die Sonne schläft.
Roh durchs Land die Stürme toben,
lachen kalt der schlichten
furchtsam strebenden Zarten,
heulen ein Lied von Krieg und Streit:
Nur die Starken, Harten
preiset der Reigen
der eisernen Zeit!

Duftlos neigen sich
die weißen reinen
scheuen Köpfchen
zur Erde wieder
entsagend nieder
und weinen
selber ins Grab sich.

Doch nicht minder,
du einsame Blume,
tröstet dein Blühen
die Menschenkinder.
Nicht ist vergebens
dein kurzes Mühen:
alles des Lebens
Brausen und Glühen,
das uns der Frühling schickt,
du fühlst es nahn!
Mit neuem Glauben blickt
auf seine Bahn,
winkt ihm Dein Gruß,
rastlos wandernd der Mensch.

Keimt doch zitternd in Ihm auch
manche lautere Blume
aus dem dunklen Grunde des Herzens,
die verblühen muß,
ehe die andern
sicher strebenden,
mächtiger treibenden
Wurzeln sich regen:
Zielen entgegen! -

Richard Dehmel



Will dir den Frühling zeigen

Will dir den Frühling zeigen, 
der hundert Wunder hat. 
Der Frühling ist waldeigen 
und kommt nicht in die Stadt.

Nur die weit aus den kalten 
Gassen zu zweien gehn 
und sich bei den Händen halten -
dürfen ihn einmal sehn.

Rainer Maria Rilke 


Herzlichst Ihr

SONNENBLÜMLE
Wünsche einen schönen "Sonn"-Tag und ein sonniges Grüssle vom Sonnenblümle


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