Samstag, 30. März 2013

Vincent van Gogh * 30.März 1853

Gefühlt ist es ja noch so, längst aber sollte er ja da sein, der Frühling, mit warm sonnigen Tagen.

Vorfrühling

Es läuft der Frühlingswind 
Durch kahle Alleen, 
Seltsame Dinge sind 
In seinem Wehn.
Er hat sich gewiegt, 
Wo Weinen war, 
Und hat sich geschmiegt 
In zerrüttetes Haar.

Er schüttelte nieder 
Akazienblüten 
Und kühlte die Glieder, 
Die atmend glühten.

Lippen im Lachen 
Hat er berührt, 
Die weichen und wachen 
Fluren durchspürt.

Er glitt durch die Flöte, 
Als schluchzender Schrei, 
An dämmernder Röte 
Flog er vorbei.

Er flog mit Schweigen 
Durch flüsternde Zimmer 
Und löschte im Neigen 
Der Ampel Schimmer.

Es läuft der Frühlingswind 
Durch kahle Alleen, 
Seltsame Dinge sind 
In seinem Wehn.

Durch die glatten 
Kahlen Alleen 
Treibt sein Wehn 
Blasse Schatten

Und den Duft, 
Den er gebracht, 
Von wo er gekommen 
Seit gestern Nacht.

Hugo von Hofmannsthal

Vincent van Gogh, Frühlingsweizenfeld bei Sonnenuntergang
Vincent Willem van Gogh, 30. März 1853
Vincent van Gogh, Blick über Arles, April  1889.
FROHE OSTERN
wünsche ich allen Lesern, Freunde und Bekannten.
Mo Sonniges Grüssle vom Sonnenblümle!