Montag, 11. März 2013

Mondnacht über Meran

Die Geisterstadt . . . Als wie ein Teppichbild,
Daran ein Träumer jahrelang gewebt,
So steht sie da im Mondenduft und lebt,
Ein ganz zu Traum verflüchtigt Erdgefild.

Und drüber seidet Allblau dämmermild,
Von Sternen-Kinderaugen scheu durchstrebt.
Und jetzo! Mitternacht! Der Äther bebt,
Als rührte Geistergruß an einen Schild.

Ein Traumbild, - leichtlich tausenden gesellt
Auf einer Göttin Brünnenüberhang,
Die schimmernd steht auf Speer und Schild gelehnt.

Und eben war's, daß dieser zwölfmal klang:
Gott grüßt im Traume seine Göttin Welt,
Die sich nach Ihm, wie er nach Ihr sich, sehnt.

Christian Morgenstern 
Gedichte, Ich und Du, Sonette I



 Carl Anton Joseph,Rottmann 1797-1850, Mondlicht Studien.


Mo sonniges Grüssle vom Sonnenblümle