Samstag, 2. März 2013

Es war ein sonniger Tag im März...

Vincent van Gogh, Platanenallee in der Nähe von Arles
Es war ein sonniger Tag im März
Und taute und rieselte allerwärts;
Ich saß am Fenster, das offen stand,
Den Kopf geneigt in meine Hand.
Der war mir so voll und gedankenschwer,
Viel Schriften lagen um mich her.
In hohen Reimen wollt' ich singen
Von böser Zeit und ernsten Dingen;
Ich wollte zeigen: die Welt ist schlecht
Und mahnen die Menschen zu Pflicht und Recht,
Doch konnt' ich den Fluß der Worte nicht finden,
Die Bilder nicht fassen und formen und binden.
Da strich der würzige Erdgeruch
Um meine Wange, um Schrift und Buch,
Das Sonnenlicht fiel aufs weiße Papier,
Bis meine Augen geblendet schier.
Verstohlen schlüpfte der warme Schein
Zum tiefsten Herzenswinkel hinein
Und fegte rasch mit dem Strahlenbesen
Heraus, was drinnen begraben gewesen.
Mir ward so wohl, sehnsüchtig weit,
Wie einst in verklungener Jugendzeit,
Und ich sang, was ich nimmer singen gewollt,
Von Frühling und Liebe und Sonnengold,
Von törichten Dingen ohne Frag'
Und doch das Rechte an solchem Tag.

Angelika von Hörmann

Angelika von Hörmann
Angelika von Hörmann 
oder auch Angelica von Hörmann,
eigentlich Emilie Hörmann von Hörbach, geborene Geiger;
* 28. April 1843 in Innsbruck;
† 23. Februar 1921Innsbruck, war eine österreichische Dichterin.

Biografie

Mo sonniges Grüssle vom Sonnenblümle