Samstag, 15. Dezember 2012

Winter

Jean Léon Gérôme; ( F.) 1824 - 1904. Winter.
 Winter

Der Winter ist ein rechter Mann,
Kernfest und auf die Dauer;
Sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an
Und scheut nicht Süß noch Sauer.

Er zieht sein Hemd im Freien an
Und läßt's vorher nicht wärmen,
Und spottet über Fluß im Zahn
Und Kolik in Gedärmen.

Aus Blumen und aus Vogelsang
Weiß er sich nichts zu machen,
Haßt warmen Drang und warmen Klang
Und alle warmen Sachen.

Doch wenn die Füchse bellen sehr,
Wenn's Holz im Ofen knittert,
Und an dem Ofen Knecht und Herr
Die Hände reibt und zittert;

Wenn Stein und Bein vor Frost zerbricht
Und Teich und Seen krachen,
Das klingt ihm gut, das haßt er nicht,
Dann will er sich totlachen. -

Sein Schloß von Eis liegt ganz hinaus
Beim Nordpol an dem Strande;
Doch hat er auch ein Sommerhaus
Im lieben Schweizerlande.

Da ist er denn bald dort, bald hier,
Gut Regiment zu führen.
Und wenn er durchzieht, stehen wir
Und sehn ihn an und frieren.

Matthias Claudius

Matthias Claudius.
MATTHIAS CLAUDIUS
Pseudonym Asmus,
* 15. August 1740 in Reinfeld (Holstein);
† 21. Januar 1815 in Hamburg;
war ein deutscher Dichter und Journalist,
bekannt als Lyriker mit volksliedhafter, intensiv empfundener Verskunst.

Mo sonniges Grüssle vom Sonnenblümle