Sonntag, 23. Dezember 2012

Mein Kräuterbüchlein

Angelika, Engelwurz.
Namen: 
Angelika, Erzengelwurz, Brustwurz, Heiligengeistwurzel;
Angelica, Holyghost (eng!.); Angelique,
Herbe du Saint Esprit (franz.);Angelica archangelica (bot.).
Herkunft: ursprünglich Nordeuropa, jetzt wild in ganz Europa, Anbau bes. in Franken, Thüringen, Frankreich, Skandinavien.

Aussehen: 
Die zweijährige, würzig duftende Staude aus der Familie
der Doldenblütler wird bis zu 2 m hoch. Im ersten Jahr bilden sich der mächtige, weit verästelte Wurzelstock und lange, gefiederte Blätter. Im folgenden Jahr wachsen  wuchtige, hohle Stengel mit gefiederten Blättern und dicken, grünlichweiß blühenden Dolden.

Zum Würzen verwendete Teile:
Wurzel und Samen (getrocknet), Blätter
und junge Stiele (frisch).

Im Handel erhältlich: Wurzeln und  Samen (in Apotheken bzw. im Kräuterfachhandel).
Gesundheitlicher Wert: Tee aus Wurzeln und Samen wirkt appetitanregend, nervenstärkend und verdauungsfördernd.

Geschmack: 
süßlich moschus artig mit bitterem Nachgeschmack; frische Teile schmecken nicht so scharf.
Mit Angelika würzt man: Fischsuppen (gehackte Blätter), Gemüsesalate, Orangenmarmelade und 
Rhabarberkompott (Blätter und Samen); sie geben einen würzigen, angenehm bitteren Nachgeschmack.

Angelika-Geschichte: 
Der christliche Name täuscht: Die Verwandte des Fenchel und Anis ist 'eine uralte heidnische Kulturpflanze aus dem hohen Norden, vermutlich aus Island und Grönland. Dort waren 'ihre Blätter und Wurzeln so begehrt, daß ihre Fans sie oft genug aus Nachbars Garten stibitzten. 
Darauf läßt ein altisländisches Gesetz schließen, das Angelika-Diebstahl mit gepfefferten Strafen bedrohte.

Nach Mitteleuropa kam sie erst im 14. Jahrhundert; dort erhielt sie auch ihren Engelsnamen. 
Vielleichtso mutmaßt der Gelehrte Tabernaemontanus in seinem Kräuterbuch, 

"umb ihrer fürträffentlichen Krafft und Tugendt willen, 
als wenn der Heilige Geist selber oder die lieben Engel 
dem menschlichen Geschlecht dise heylsame Wurtzel geoffenbaret hetten."

Denn die Angelika galt nicht nur als Würze für den Wein und als magenstärkendes Mittel, sondern auch als
Schutz gegen Hexen und gegen die schlimmste aller Seuchen, die Pest:

"So jemand morgens' frühe nüchtern
von diser Wurtzel innimpt, so ist er
den selbigen Tag sicher vor der
Pestilenz. "

Solche Wunder traut man der Pflanze heute nicht mehr zu, sie wird aber noch vielfach in der Medizin
verwandt. Außerdem braucht man Samen und Wurzel bei der Herstellung von Kräuterlikören.
In der Küche ist sie ziemlich aus der Mode gekommen.  In Nordeuropa ißt man die jungen 
Schößlinge gelegentlich' als Gemüse, und in Frankreich macht man Stengel und Blätter in Sirup als Kompott
ein und verwendet die kandierten jungen Stengel zum Dekorieren von Torten. 
Frische Stengel und Blätter sind bei uns nicht zu haben. Man muß Stauden schon selbst im 
Garten anpflanzen. Junge Pflanzen kann man beim (auf Heilkräuter spezialisierten) Staudenversand 
beziehen. Die Pflanzen bevorzugen feuchten Boden und Halbschatten. 

Neuw vollkommentlich Kreuterbuch. 1625.

Titelseite des Neuw Vollkommentlich Kreuterbuch, Ausgabe von 1625

Seite2, des Neuw Vollkommentlich Kreuterbuch, Ausgabe von 1625
Jacob Theodor Tabernae Montanus
Tabernaemontanus,
eigentlich Jakob Dietrich, Jacob Ditter / Diether bzw. Jacob Theodor
* 1522 in Bad Bergzabern; † August 1590 in Heidelberg;
war ein Botaniker, Mediziner und Professor für Medizin und Botanik. 
Der Name Tabernaemontanus ist eine latinisierte Form des Ortsnamens Bergzabern.

Link zum Kräuterbuch (Digitalisiert)

Beschreibung der Käuter (Tabelle) bei Kraeuter.ch

Angelika oder Engelwurz.
Link zur Pflanze - im Buch,   Angelika oder "Engelwurz"



Mein Kräuterbüchlein:
Die Serie wird fortgesetzt und ab und zu werden hier auch fast vergessene Kräuter und Gewürze beschrieben. 

Mo sonniges Grüssle vom Sonnenblümle