Montag, 19. November 2012

Möhringer Keramik - Berthold Probst ..

Schiller, Mörike, Bosch sind Persönlichkeiten, von denen jeder Stuttgarter ein paar
Eckdaten kennt. Doch die Region rund um den Neckar hat viele andere Bürger hervorgebracht,
auf deren Spuren wir ständig stoßen und bei denen wir uns fragen: Wer
war das eigentlich? In dieser Woche geht es um Berthold Probst.

Ein Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten & dem Stuttagrter Wochenblatt  [STN. vom 7.11.12]

Berthold Probst Kunstfreund und innovativer Unternehmer - Berthold Probst ist Namensgeber des Probstsees in Möhringen.
Berthold Probst.
Berthold Probst war erfolgreicher Unternehmer und Kunstliebhaber. Nach dem Ersten Weltkrieg stellte er die Produktion seiner Ziegelei auf Kunstkeramik um.


MÖHRINGEN 

Berthold Probst wurde 1869 in Ühlingen im südbadischen Schwarzwald geboren.
Um 1890 lernte er die verwitwete Kathi Rueß kennen,die in Möhringen eine Ziegelei besaß.
Probst begann zusammen mit seinem älteren Bruder eine Tätigkeit als Verwalter
und Teilhaber. in der Ziegelei. Nur wenig später übernahm er den Betrieb und baute ihn aus.

Nicht nur das Unternehmerische stand im Interesse von Berthold Probst:
Er engagiert sich stark in der Kommunalpolitik und war von 1911bis 1919 Mitglied im
Gemeinderat. 1897 war Probst Mitbegründer des ersten Gewerbevereins in Möhringen.
Im selben Jahr heiratete er Anna Breuning, die Tochter des früheren Pflugwirts.
Sie bekamen acht Kinder, sieben Mädchen und einen Jungen.
Weitere Leidenschaften von Berthold Probst waren Kunst und Musik.

Er ging häufig in Museen und ermunterte auch seine Kinder zu Museumsbesuchen.

Vermutlich aus diesem Grund gelang dem Geschäftsmann der Wandel in der schweren Zeit nach dem
Ersten Weltkrieg. Zunächst produzierte die Probst'sche Ziegelei feuerfeste Schamottesteine für Backöfen und Herdplatten, Dachziegel, Backsteine, Drainageröhren sowie diverse Baumaterialien. Außerdem wurden in der Tonwarenfabrik Gebrauchskeramik, Ton- und Steinzeug hergestellt.

Probst galt als technisch aufgeschlossen und innovativ, er besaß früh einen Telefonanschluss und
ein Automobil.

Dann trafen die Ziegelei die schwierigen wirtschaftlichehn Zeiten während des
Erstens Weltkriegs: Die Produktionskosten und die Löhne stiegen, die Verkaufspreise blieben jedoch gleich, Arbeiter wurden zum Kriegsdienst abgezogen.

Dann brannte auch noch eine große Fabrikhalle ab.

Nach Ende des Krieges wurde diese zwar wieder aufgebaut, in der Nachkriegszeit blieb die wirtschaftliche Lage aber schwierig. Aus der Not heraus kam Berthold Probst auf eine geniale Idee:
Er begann Kunstkeramik zu produzieren.

Zusammen mit Max Kluge vom Stuttgarter Kunstgewerbe- und Fachlehrerverein gründete Probst 1919 die
"Kunstkeramischen Werkstätten Probst & Kluge".

Tierfiguren, Krüge, Kannen, Vasen oder Wandteller wurden einzeln gefertigt und in aufwendiger Handarbeit bemalt und glasiert. Auch große Keramikbrunnen für den Garten gehörten zum Sortiment. Die Firma erlebte eine Blütezeit, die Nachfrage war groß. Im Jahr 1925 starb Berthold Probst. Seine Familie führte das Unternehmen weiter, 1934 musste der Betrieb aber aufgrund der schlechten Wirtschaftslage stillgelegt werden. Auf dem Gelände der Ziegelei wurde der Probst­see angelegt, ein Naturdenkmal, das sich bis heute großer Beliebtheit bei Erholungsuchenden erfreut.

Zeitungsartikel.
Probst-Keramik aus der Sammlung von Luise Hübner, gestiftet von Hildegard Hübner.
Das Kaffeeservice stammt vermutlich aus dem Jahr 1910 und ist im Heimatmuseum Möhringen
im Spital hof zu sehen.

Auch wir haben einige Keramikstücke aus dieser Möhringer Keramikproduktion Zuhause.



Probst Keramik.
Mo sonniges Grüssle vom Sonnenblümle