Freitag, 8. Juni 2012

Gedichte & Dichter

 Vergissmeinnicht
1.

Ein Blümlein blüht an stillen Wiesenbächen,
Das hab' ich mir vor allen auserlesen,
Und keinem je bin ich so hold gewesen;
Drum geh' ich einsam gern, es mir zu brechen.

Die stolze Rose rüstet sich zum Stechen,
Das Veilchen birgt sich mit verschämtem Wesen;
Das Blümlein aber, das ich mir erlesen,
Scheint bittend selbst: "O, brich mich doch!" zu sprechen.

Du kennst es wohl, doch weißt Du, wie's entsprossen? —
Ein Mägdlein einst kam über Feld gegangen,
Des fernen Liebsten denkend in Verlangen;

Und in das Gras die hellen Zähren flossen
Aus blauen Augen über blasse Wangen:
Draus ist das Blümlein hold emporgeschossen.

2.

Was winkst Du mir entgegen
Auf allen meinen Wegen,
Vergißmeinnicht! im Feld?
"Dein Lieb hat mich bestellt,
Auf allen deinen Bahnen
Dich still an sie zu mahnen!"

Adolf Schults

Adolf Schults 
* 5. Juni 1820 in Elberfeld;
† 2. April 1858 ebenda) war ein deutscher Dichter.


Mo sonniges Grüssle vom Sonnenblümle