Donnerstag, 12. April 2012

Frühjahrsgedichte :

Spatz und Spätzin

Auf dem Dache sitzt der Spatz,
Und die Spätzin sitzt daneben,
Und er spricht zu seinem Schatz:
"Küsse mich, mein holdes Leben!"

Bald nun wird der Kirschbaum blühn,
Frühlingszeit ist so vergnüglich:
Ach! Wie lieb´ich junges Grün
Und die Erbsen ganz vorzüglich!"

Spricht die Spätzin: "Teurer Mann,
Denken wir der neuen Pflichten,
Fangen wir noch heute an,
Uns ein Nestchen einzurichten!"

Spricht der Spatz: "Das Nestebaun,
Eierbrüten, Junge füttern
Und dem Mann den Kopf zu krauln
Liegt den Weibern ob und Müttern."

Spricht die Spätzin: "Du Barbar!
Soll ich bei der Arbeit schwitzen,
Und du willst nur immerdar
Zwitschern und herumstibitzen?"

Spricht der Spatz: "ich will dir hier
Mit zwei Worten kurz berichten:
Für den Spatz ist das Pläsier,
Für die Spätzin sind die Pflichten!"

Karl Mayer


Karl Friedrich Hartmann Mayer 
* 22. März 1786 in Bischofsheim,
† 25. Februar 1870 in Tübingen, war Jurist und Dichter.

Er gehörte zur Schwäbischen Dichterschule, zum Freundeskreis um Justinus Kerner sowie zum Seracher Dichterkreis um den Grafen Alexander von Württemberg. Sein jüngerer Bruder Louis Mayer war Landschaftsmaler.

Seracher Dichterkreis-Schwäbische Dichterschule.
Schwäbische Dichterschule:
von links: Theobald Kerner, Nikolaus Lenau, Gustav Schwab, Graf Alexander von Württemberg, Karl Mayer, Justinus Kerner, Friederike Kerner, Ludwig Uhland, Karl August Varnhagen von Ense



Mo sonniges Grüssle vom Sonnenblümle