Mittwoch, 14. März 2012

Frühling

Eduard Mörike 

Zu viel
 
Der Himmel glänzt vom reinsten Frühlingslichte,
Ihm schwillt der Hügel sehnsuchtsvoll entgegen,
Die starre Welt zerfließt in Liebessegen,
Und schmiegt sich rund zum zärtlichsten Gedichte.

Am Dorfeshang, dort bei der luftgen Fichte,
Ist meiner Liebsten kleines Haus gelegen  –
O Herz,  was hilft dein Wiegen und dein Wägen,
Dass all der Wonnestreit in dir sich schlichte!

Du,  Liebe, hilf den süßen Zauber lösen,
Womit Natur in meinem Innern wühlet!
Und du,  oh Frühling, hilf die Liebe beugen!

Lisch aus,  o Tag!  Lass mich in Nacht genesen!
Indes ihr sanften Sterne göttlich kühlet,
Will ich zum Abgrund der Betrachtung steigen.

Frühling von Millet.
Nadar: "Jean-François-Millet"

Jean-François Millet
* 4. Oktober 1814 in Gruchy, Normandie,
† 20. Januar 1875 in Barbizon,
war ein französischer Maler des 19. Jahrhunderts.
Neben Camille Corot ist er einer der führenden Künstler der Schule von Barbizon.




Mo sonniges Grüssle vom Sonnenblümle