Freitag, 5. August 2011

Kornelkirschen - aka "Dirndl"

 Der derzeit größte bekannte Kornelkirschenbaum ist die Sigrid-Dirndl. Sie steht im österreichischen Mostviertel in der Gemeinde Michelbach.

Die Kornelkirsche 
Lateinisch:  Cornus mas, auch Herlitze, Dürlitze, Hirlnuss, in Österreich auch Dirndl (Dirndling) beziehungsweise Dirndlstrauch oder Gelber Hartriegel, in der Deutschschweiz Tierlibaum genannt, ist eine Pflanzenart und gehört zu den Hartriegeln (Cornus). Die Blütezeit dieses Strauchs liegt in Deutschland im März/April, in der Regel sogar noch vor der Forsythie.


Die Kornelkirsche ist eine tolle Nutzpflanze.
Vom Kornelkirschenbaum wurde alles genutzt: Blüten, Blätter, Rinde, vor allem aber das Holz und die Früchte. Heute ist, zumindest in Deutschland, seine wirtschaftliche Bedeutung stark zurückgegangen; eine Rolle spielen noch die Früchte zur Herstellung von Edelobstbränden.

In dem um 1920 erschienenen Standardwerk Illustrierte Flora von Mittel-Europa
von Gustav Hegi heißt es zur Verwendung der „Kirschen“:
 ~ sie würden entweder roh oder kandiert genossen oder mit Zucker oder Essig zu Kompott verarbeitet.

Auch Marmeladen, Gallerten und Fruchtsäfte ließen sich daraus bereiten. Die Fruchtsäfte seien unter dem Namen Scherbet oder Hoschaf besonders im südöstlichen Europa beliebt, namentlich bei den Türken.

Auch als Fischköder würden die reifen Früchte benützt.
Aus den Kirschkernen verfertige man billige Rosenkränze.

Die im Kern eingeschlossenen Samen könnten geröstet als Kaffee-Ersatz dienen und würden sich dann durch einen vanilleartigen Geruch auszeichnen.

Die Kornellen seien in der Türkei früher auch dazu benutzt worden, um den Fez, die traditionelle türkische Kopfbedeckung, rot zu färben.

Das sehr dichte und harte Holz des Kornelkirschbaums, das politurfähig und schwer spaltbar ist, diente vor allem in der Drechslerei und Wagnerei zur Herstellung von Werkzeugen, Radspeichen, Schusternägeln, Messergriffen, Hammerstielen, mathematischen Instrumenten und Kämmen, auch für Zahnräder in Mühlwerken. Da es aber stark schwindet, verlangte es sorgfältiges Trocknen. Daneben wurde es zur Erzeugung von Holzkohle verwendet.
Rinde, Holz und Blätter enthalten Gerbstoffe, die zum Färben benutzt wurden.
Mit Alaun und Pottaschenlauge soll die Rinde eine braune Lackfarbe ergeben.
Die Borke mit ihrem 7–16%igen Lohgehalt eignet sich besonders zum Gerben.


Verwendung als Heilmittel

Illustration in J. G. Sturms Deutschlands Flora in Abbildungen

Auch als Heilmittel
gegen die verschiedensten Gebrechen haben sich Teile der Kornelkirsche (Früchte, Blüten, Blätter und Holz) einen Namen gemacht.

Noch heute findet man in der Heilmittelkunde den Begriff Fructus Corni (= Früchte des Kornelkirschenbaums) für eine Droge.

Zedler’s Universal Lexicon von 1733 widmet ihrer Heilwirkung eine lange Spalte. Unter anderem kühlen danach die „Cornell-Kirschen“, sie „ziehen etwas zusammen und stopfen“, wirken gegen die „rothe Ruhr“ und gegen „Blut-speyen“, geben bei „hitzigen Kranckheiten“ kühlende Labung.
Man verwendet die „Beeren“ wie Oliven, macht einen „Cornell-Wein“ daraus, der gegen „Bauch-Flüsse“ genutzt wird. Gegen diese helfen auch die gedörrten und zu Pulver gestoßenen Früchte. Das aus dem Holz ausgezogene Öl „rottet den Krebs aus“. Die „Beeren in Wein gekocht und getruncken“ kurieren den Nierenstein. Die Blätter stillen das Bluten von Wunden. Wegen ihrer Verwendung gegen die rote Ruhr trugen die Kornelkirschen auch den Namen „Ruhrbeeren“.
Schon im 12. Jahrhundert hatte die Heilige Hildegard von Bingen in Physika, ihrem medizinischen Werk, ein Kapitel der Heilkraft der Kornelkirsche gewidmet, dort „Erlizbaum“ genannt.
Sie empfahl ein Bad aus Rinde, Holz und Blättern gegen die Gicht sowie die „Kirsche“ für den Magen
(3. Buch, Kapitel 40) :

Von der Kornelkirsche (Dirlitze)

Die Kornelkirsche ist warm, und ihre Wärme ist mild, und sie hat süße Feuchtigkeit in sich. Nimm daher von ihrer Rinde, dem Holz und den Blättern und koche sie in Wasser, und mache daraus ein Bad. Und wer an Gicht leidet, sei es ein Kind, ein junger Mensch oder ein alter, der bade darin oft und umgebe sich in diesen Bädern (mit diesen Blättern). Und das tue er im Sommer, wenn der Baum grün ist, und dem Kind und dem jungen Menschen wird es bestens zur Gesundheit verhelfen. Dem alten Menschen aber wird es ziemlich nützen, jedoch nicht in dem Maße wie dem Kind und dem jungen. Und so werden sie sich besser befinden. Und die Frucht dieses Baumes schadet dem Menschen nicht, wenn man sie ißt, aber sie reinigt und stärkt den kranken und auch den gesunden Magen, sie nützt dem Menschen für die Gesundheit. (textkritische Übersetzung von Marie-Louise Portmann, 1991)

Auf den medizinischen Werken Hildegards von Bingen aufbauend hat sich heute eine „Hildegard-Medizin“ herausgebildet. In dem 1990 von dem Heilpraktiker Reinhard Schiller erschienenen Buch Hildegard Medizin Praxis werden die Kornelkirschen mit der Bemerkung aufgeführt: „Gut für Gesunde und Kranke, reinigen Magen und Darm". Bei der Colitis, der Entzündung des Dickdarms, gibt das Buch folgendes Rezept:

    Roh, als Marmelade, als Gelee, als Mus oder in jeder beliebigen Zubereitung verspeisen. Kornelkirschen reinigen und festigen den Verdauungstrakt. Innerhalb weniger Monate kann Colitis mit Hilfe von Kornelkirschen, ausschließlicher Dinkelkost und begleitender Hildegard-Therapie gelindert, sogar geheilt werden.


Das Rezept bei Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) lautet:
    Täglich eine Portion Kornelkirschen essen, egal in welcher Form, ob roh oder gekocht, als Marmelade, Mus oder Gelee. Kornelkirschen reinigen und stärken das angeschlagene Verdauungssystem und fördern dessen Gesundheit. Mit einem einmaligen Verzehr kann man aber noch keine Wunder erwarten. Sie sind ein Langzeittherapeutikum und sollen über Monate hinweg täglich verwendet werden.

Darüber hinaus wird die Kornelkirsche im Kapitel „Magengeschwüre“ zur zusätzlichen Behandlung bei Magenleiden empfohlen. Im 1996 erschienenen Hildegard von Bingen Kochbuch von Dr. Wighard Strehlow heißt es über die Kornelkirschenfrüchte:

    Sie enthalten den roten Fruchtfarbstoff der Anthocyane, die zur Vitamin-P-Gruppe gehören. Dieses Vitamin P ist ein wichtiger Schutz- und Reparaturfaktor bei Entzündungen und Verletzungen der Schleimhäute und Blutgefäße, zum Beispiel bei Gastritis oder Krampfaderleiden.

Auch der Heilpflanzenführer (Guida alle piante medicinali) von Paola Lanzara, 1978 in Italien erschienen, nennt verschiedene wohltuende Wirkungen der Kornelkirsche (Übersetzung):

    Die Früchte bewahren auch bei der Reifung einen säuerlichen Geschmack und enthalten Glukose, malico- und Zitronensäure, Schleim- und Gerbstoffe. Aus den Früchten erhält man Marmeladen von leicht säuerlichem Geschmack und verstopfender Wirkung. Werden sie vergoren, liefern sie alkoholische Getränke von angenehmem Geschmack.

In seiner Beschreibung des Goldenen Zeitalters berichtet Ovid über Menschen, die sich auch von Kornelkirschen ernähren. Diese enthalten einen Samen, aus dem man ein Öl erhält, das zur Seifenherstellung verwendet wird.

Geröstet und mit Kaffee vermischt, verleihen sie diesem einen angenehmen Vanille-Duft, es ist der berühmte „Wiener Kaffee“.

Mit den Blättern kann man sich zum Trinken aus der Tasse einen angenehmen Aufguss machen.
Die Volksmedizin empfiehlt die Früchte als Mittel gegen Durchfall. Auch die Rinde, die eine bittere Substanz enthält, das Cornin, ebenso wie tannin-und pektinhaltige Substanzen, verleiht einem Aufguss daraus verstopfende und kräftigende Wirkung.


Verwendung für Speisen und Getränke :
Wohl schon immer fand in Deutschland, zumindest in der südlichen Hälfte, die Kornelkirsche für Speisen und Getränke Verwendung.

So gab es in Baden den Brauch, dass am Fastensonntag die Burschen von ihren Mädchen mit dem „Kuechlestruß“ bewirtet wurden: dünne Blütenzweige der Kornelkirsche, die in Teig getaucht und in kochendes Fett zum Backen gehalten wurden (Marzell, Kräuterbuch, 1922).

Vom Anfang des 19. Jahrhunderts wird berichtet, dass die im Schatten getrockneten jungen Blätter vermischt mit jungen Sauerkirsch- und wilden Erdbeerblättern einen schmackhaften Tee ergäben.

Neuerdings besinnt man sich wieder auf den Wert von Wildfrüchten und damit auch auf die Kornellen.
Sie enthalten 8–9 Prozent Zucker (vorwiegend Traubenzucker und Fruchtzucker) sowie 2–3 Prozent freie Säuren, vor allem Apfelsäure. Wegen ihres hohen Gehalts an Vitamin C (70–125 mg je 100 g Frischsubstanz) finden sie speziell als Vitaminspender Verwendung.

Inzwischen gibt es eine Anzahl Neuzüchtungen mit viel Fruchtfleisch.

Das Bundessortenamt gab in seiner Beschreibenden Sortenliste Wildobst von 1999 eine sehr positive Darstellung der Verwertungsmöglichkeiten von Kornellen:

Vollreife Früchte als Vitamin-C-reiche Rohkost (auch nach erster Frosteinwirkung); Früchte für Tiefkühlung mit Verarbeitung im Winter geeignet. Herstellen von Trockenprodukten ist in der Sonne oder bei künstlicher Wärme möglich. Säfte, Süßmost sind sehr erfrischend. Likör, Wein von ausgezeichnetem Geschmack, ebenso in Alkohol eingelegte Früchte, von hervorragender Qualität sind Sirup, Gelee und Konfitüre. Marmelade kann mit säurearmen Fruchtarten wie Birne, Apfel, Holunder, Zwetsche sowie Melone und Kürbis zusammen hergestellt werden. Verarbeitungsprodukte weisen eine schöne rosarote Färbung auf und das vieles aus der Kornelkirsche nicht  in Massen hergestellt wird, ein einmaliges selbst hergestelltes Produkt, er hat schon Kornellkirschenmarmelade oder Likör?

Kornelkirschenwasser, etwas Besonderes:
Den höchsten wirtschaftlichen Wert erlangt die Kornelkirsche durch die Herstellung von Kornelkirsch(en)wasser mit Hilfe der Brennblase.
Einige dieser Obstwässer laufen unter der mundartlichen Bezeichnung Zisserle, vorwiegend im "Schwäbischen".

Allerdings haben sie in Deutschland bisher noch keine größere Bedeutung.
Dagegen ist in Osteuropa seit langem die Herstellung von Wein und Likör aus Kornelkirschen üblich. Es wird vermutet, dass bereits in den steinzeitlichen Pfahlbauten Mitteleuropas schmerzstillende, berauschende Getränke aus vergorenen Kornelkirschen gewonnen wurden.

In Österreich ist die Tradition der Herstellung von Spirituosen aus Kornelkirschen nie abgebrochen.
Sie gehören dort schon immer zu den besten unter den Obstbränden und werden meist unter der Bezeichnung Dirndlbrand angeboten.

Die Preise für diese Produkte sind wegen des hohen Arbeitsaufwandes infolge der Kleinfrüchtigkeit und der geringen Alkoholausbeute entsprechend hoch. Dirndlbrand, ein Artikel aus der Wikipedia

Meine "Dirndl" Fotos, oder Zisserla, wie man im Schwäbischen sagt:






Meine "Dirndl" Fotos : © Monika Kreinbucher-Fritz.

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Mo sonniges Grüssle vom Sonnenblümle wünsche ein schönes Wochenende.