Dienstag, 5. Juli 2011

Sommer von Ferdinand Ernst Albert Avenarius

 Im Sommer

O weiche Luft voll Blumenduft,
    O Vogelsang der Auen,
Wie sehn ich bang mich Monde lang,
    Zu lauschen und zu schauen!
Nun lacht die Erde um mich her
    Im Sommersonnenscheine –
Der kleine Finke schlägt nicht mehr,
    Die Primel verblüht am Raine!

Die Rosen blühn aus vollem Grün,
    Mit lichtem Tau begossen,
Die Sommerpracht ist aufgewacht,
    Die Knospenwelt erschlossen.
Was schein die Flur nur heut so leer?
    Ich wandle still alleine –
Der kleine Finke schlägt nicht mehr,
    Die Primel verblühte am Raine!

*


Sommer

Ich komm im Sommerwald daher
Und lausche seinem Weben –
Kein menschlich Schreiten trägt mich mehr,
Ein Wallen ist’s und Schweben.

Ich blicke nieder zur Blume ins Kraut,
Blick auf zur Sonn in die Höhe –
Wie aus dem Kleinen das Große sich baut:
Geheiligt ist, was ich sehe!

Klar wird’s in mir und seherhell –
Wie meine Sinne lauschen,
Klingt in mich ein, was leis der Quell,
Was Gräser und Bäume rauschen,

Hör ich das kreisende Blut der Natur
Durch Erden und Welten wallen,
Hör ich durch alle Kreatur
Den  e i n e n  Herzschlag hallen.

Ferdinand Ernst Albert Avenarius

Ferdinand Ernst Albert Avenarius

Ferdinand Ernst Albert Avenarius
* 20. Dezember 1856 in Berlin,
† 22. September 1923 in Kampen auf Sylt,
war ein deutscher Dichter und Gründer der Zeitschrift Der Kunstwart.

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Mo sonniges Grüssle vom Sonnenblümle