Mittwoch, 6. April 2011

Emanuel Geibel, deutscher Lyriker.

 Franz Emanuel August Geibel
* 17. Oktober 1815 in Lübeck,
† 6. April 1884 Lübeck, war ein deutscher Lyriker.
 
Geibel war das siebte von acht Kindern in einem reformierten Pfarrhaus. Nach dem Gymnasium in Lübeck begann er 1835 in Bonn ein Theologiestudium, wechselte aber bald zur klassischen Philologie. Ab 1836 war er in Berlin, dort lernte er Chamisso und Eichendorff kennen. 1838 nahm er auf Vermittlung Bettine von Arnims und Savignys eine Stelle als Hauslehrer in Athen an. Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er 1840 seine ersten Gedichte, die schnell beliebt wurden; der preußische König setzte ihm 1842 eine lebenslange Pension aus. In den Folgejahren hielt er sich überwiegend bei Freunden ( Freiligrath , Justinus Kerner , Strachwitz ) auf. 1852 folgte er einem Ruf König Maximilians II. nach München zu einer Ehrenprofessur für deutsche Literatur und Poetik. 1868 kehrte er nach Lübeck zurück.


Frühlingslied.

1867.
           
Nun vergiß der Klagelieder
Und erhebe dein Gemüt!
Endlich steigt der Lenz hernieder,
Der für dich, mein Volk, erblüht.

An der tausendjähr'gen Eiche
Drängt sich junger Knospen Schwall,
Ein prophetisch Lied vom Reiche
Schmettert drein die Nachtigall.

Sieh, und dichter stets, getroster
Bricht hervor das lichte Grün;
Nur gen Süd ein starr bemooster
Ast noch zaudert mitzublühn.

Kommt herab denn, Himmelskräfte,
Maientau und Sonnenschein!
Treibt den Strom der Lebenssäfte
Bis ins letzte Reis hinein!

Steht verjüngt vom Frühlingsbrausen
Erst der ganze Baum in Blust,
Wird der Freiheit Aar drin hausen,
Deutsches Volk, zu deiner Lust.

Eines hast du schon errungen,
Daß die Welt, die dich erkennt,
Ehrfurchtsvoll in allen Zungen
Deinen Namen wieder nennt.

Emanuel Geibel.

Aus dem Schenkenbuch.
1.

Wein her! Wein, damit du es lernst,
Herz, geduldig zu harren;
Weil du schier mir brächest am Ernst,
Gehn wir unter die Narren.

Weil zwei Schritte von deiner Thür
Nichts vom Leben mehr dein ist,
Laß das Klügeln und forsche dafür,
Wo der feurigste Wein ist.

Schwärmen wollen wir eine Zeit
Bei den trunkensten Wirthen;
Aber es liege das Schwert bereit
Unter dem Grün der Myrten.

2.

Handeln und singen in guten Tagen,
In böser Zeit dazwischenschlagen.
Oder, bist du verdammt zu ruhn:
Nur nicht in müßiges Grollen versinken!
Immer noch besser ist Schwärmen und Trinken,
Als sich ärgern und gar nichts thun.

3.

Gegrüßt sei, wer mir kühnbeschwingt
Gedanken bringt und Lieder singt!
Gegrüßt, wer harmlos mir vertraut
Was ihn bedrückt, was ihn erbaut!
Doch wer mir Gelahrtheit brockt in den Wein,
Der soll mein Zechgenoß nicht sein.

4.

Bringet Kerzen, Wein und Saiten,
Doch dann laßt dem Ding den Lauf;
Freude läßt sich nicht bereiten.
Wie die Blume geht sie auf.

5.

Recht zu trinken ist auch eine Kunst,
Die nicht jeglicher weiß zu fassen!
Du sollst den Wein in dir walten lassen,
Aber als Feuer, nicht als Dunst.

6.

Wenn du Flaschen frisch entsiegelst,
Thu's mit Sinn und thu's als Meister:
Denn es ist das Reich der Geister,
Dessen Pforten du entriegelst.

7.

Das soll dir nicht verhohlen sein,
Ormuz und Ahriman hausen im Wein:
Unter dem Stöpsel im Goldenen, Blanken
Schweben die freudigen Lichtgedanken;
Ahriman kauert am Boden der Flasche
Und lauert, daß er dich erhasche.

8.

Es prüft sein Schwert an Flock' und Flaum,
Sein Gold im Tiegel der Kenner;
Der Weinstock ist der Erkenntniß Baum
Für die Seele der Männer.

9.

Laß mir die Knaben vom Feste,
Denn sie haben noch nichts erlebt'
Das ist am Weine das Beste,
Daß die Erinnerung drüber schwebt.

10.

Setzt mir, soll ich heiter schlürfen,
Nicht den schmächtigen Schoppen her!
Mag ich auch nicht mehr bedürfen,
Doch empfinden will ich mehr.

Flaschen laßt mich auf dem Tische,
Fässer an den Wänden sehn.
Daß mich gründlich was erfrische,
Muß es aus dem Vollen gehn.

11.

Das ist im Wein die Gotteskraft,
Daß er zersprengt des Staubes Haft,
Und deinen Geist auf goldner Schwinge
Entrückt zum Mittelpunkt der Dinge,
Wo du die Erde schaust von fern
Im Sternenchor als lichten Stern.

12.

Tief am Grund im güldnen Becher
Liegt der Schlüssel zum Paradies;
Willst du ihn finden, so sei nur ein Zecher
Wie Sokrates und wie Hafis.

13.

Suche den Hauch vom Jugendlenze
Beim Wein zu nah nicht noch zu weit;
Er weht nur eben auf der Grenze
Zwischen dem Rausch und der Nüchternheit.

14.

Schütte dein Herz in den Becher nur,
So müssen die Sorgen versinken;
Aber die Thorheit ist leicht von Natur,
Die wird nicht mit ertrinken.

15.

Wein, der glühende Freier,
O wie schmeichelt er traut!
Feurig hebt er den Schleier
Meiner Seele, der Braut,

Feurig hebt er den Schleier,
Und sie läßt ihm sein Recht;
Aus der trunkenen Feier
Sproßt ein Liedergeschlecht.

16.

Augen feurig und feuriger Wein
Wo die zusammen handthieren,
Da müßt' ich ja kühl wie der Nordpol sein,
Um nicht den Kopf zu verlieren.

Laß ihn denn fahren dahin, den Wicht!
Er schuf mir nur Grillen und Schmerzen;
Verliebte und Trunkene brauchen ihn nicht,
Sie denken mit dem Herzen.

17.
Der Schenk beschließt.


Frohsten Austausch, hin und wieder,
Bot ich heut als wackrer Schenk.
Gabt ihr Stimmung mir und Lieder,
Gab ich euch mein best Getränk.

Mild durchwärmt und leicht erhoben,
Frisch zu jedem Werk und klar,
Sollt ihr's mir erst morgen loben,
Daß mein Wein vortrefflich war.

Emanuel Geibel

Mo sonniges Grüssle vom Sonnenblümle