Sonntag, 20. Juni 2010

Lisa Baumfeld

Frühling

In der Luft, der frühlingsfeuchten,
Blitzt ein jähes, blondes Leuchten.
Lichte Strahlen rieseln nieder,
Singend haucht der schwere Flieder
  Meine Träume aus, die alten duftigen Träume ...

Durch die Zweige wühlt ein Sausen,
Gottberauschtes, wirres Brausen ...
Durch den Himmel hör' ich's rasen,
Und in freudigen Ekstasen
  Flammen Kelche empor, viel trunk'ne, sonnige Kelche ...

Lisa Baumfeld
(1877 - 1897)

Lisa Baumfeld

Geboren am 27. 4. 1877 in Wien, gestorben am 3. 2. 1897 in Wien.

Ihr Vater war Bankdirektor. Sie erhielt eine sorgfältige Erziehung und zeigte schon in ihren Kinderjahren eine ungewöhnliche Sprachbegabung und großes Interesse für Literatur. Mit zwölf Jahren begann sie Gedichte zu schreiben, und »obwohl sie in dieser Richtung von ihren Angehörigen durchaus nicht ermuntert wurde, pflegte sie diese Begabung mit großer Vorliebe« (Pataky*). 1895 und 1896 wurden einzelne ihrer Gedichte in den Wiener Zeitschriften Gesellschaft und Wiener Mode unter den Pseudonymen Ewald Bergen und Lizzy veröffentlicht. Nach kurzer, schwerer Krankheit starb Lisa Baumfeld bereits im Alter von neunzehn Jahren. Ein Band mit ihren Gedichten erschien 1900 in Wien.

*Literatur: Sophie Pataky: Lexikon deutscher Frauen der Feder. Berlin, 1898.

Mo sonniges Grüssle vom Sonnenblümle