Freitag, 16. April 2010

Wilhelm Müller - April


Wilhelm Müller 
(1794-1827)

April

Leichtsinnig, launig, neckisch, ausgelassen,
Wandl' ich in jeder Stunde Leib und Sinn:
Kaum weiß ich selbst, wie ich beschaffen bin,
Wie sollen mich die fremden Leute fassen?

Hier werf' ich einen Schneeball durch die Gassen,
Dort schweb' ich blau in jungen Düften hin,
Bald streich' ich sanft der Schönen weiches Kinn,
Bald sagen sie, ich wäre grob im Spaßen.

Gern wollt' ich dir noch Vieles von mir sagen,
Doch drückt mich des Sonettes enges Band,
Das mir die Muse um den Mund geschlagen.

Sie sprach: Ich kenne dich als ungezogen,
Und jener Herr hat in dem welschen Land
Der besten Sitt' als Kavalier gepflogen.


Johann Ludwig Wilhelm Müller
* 7. Oktober 1794 in Dessau,
† 1. Oktober 1827 Dessau,
war ein deutscher Dichter.
Er war der Vater des Sprachforschers Friedrich Max Müller.

ein schönes Wochenende wünscht das Sonnenblümle.