Mittwoch, 24. März 2010

 Christian Friedrich Daniel Schubart
* 24. März 1739 in Obersontheim in der damaligen Grafschaft Limpurg, jetzt Landkreis Schwäbisch Hall;
† 10. Oktober 1791 in Stuttgart, war ein deutscher Dichter, Organist, Komponist und Journalist.

Historische Bedeutung erlangte er insbesondere durch seine scharf formulierten sozialkritischen Schriften, mit denen er die absolutistische Herrschaft und deren Dekadenz im damaligen Herzogtum Württemberg öffentlich anprangerte.

Christian Friedrich Daniel Schubart,
Schriftsteller, Musiktheoretiker und Komponist, wird 1739 im schwäbischen Obersontheim geboren. Seine Kindheit verbringt er in Aalen, wo der Vater als Pfarrvikar und Kantor tätig ist. Er lobt den freien Bürgersinn der Stadt, ihre Misthaufen und ihre donnernde Mundart. Nach Abbruch des Theologiestudiums in Erlangen kehrt er nach Aalen zurück und ist als Haus- und Musiklehrer tätig. 1763 wird Lehrer in Geislingen, 1769 Hoforganist in Ludwigsburg. Skandale und polemische Gedichte führen zu seiner Ausweisung aus Württemberg. In Augsburg erscheint 1774 die erste Ausgabe seiner Deutschen Chronik.

Wegen religionskritischer Artikel wird er im gleichen Jahr aus der Stadt gewiesen. Der Herzog von Württemberg läßt ihn 1777 entführen und auf den Hohenasperg verschleppen, wo er ohne Prozeß zehn Jahre eingekerkert wird. Nach einer öffentlichen Kampagne, an der auch Goethe und Herder beteiligt sind, wird er 1787 freigelassen. Der körperlich und seelisch Gebrochene wird am Hofe zum Theaterdirektor bestellt. Er stirbt 1791 in Stuttgart.

1819 vertont Franz Schubert Schubarts «Forelle».

Die Forelle

In einem Bächlein helle.
Da schoss in froher Eil
Die launische Forelle
Vorüber wie ein Pfeil.
Ich stand an dem Gestade
Und sah in süßer Ruh
Des muntern Fisches Bade
Im klaren Bächlein zu.

Ein Fischer mit der Rute
Wohl an dem Ufer stand
Und sahs mit kaltem Blute,
Wie sich das Fischlein wand.
So lang dem Wasser Helle,
So dacht ich, nicht gebricht,
So fängt er die Forelle
Mit seiner Angel nicht.

Doch plötzlich ward dem Diebe
Die Zeit zu lang. Er macht
Das Bächlein tückisch trübe,
Und eh ich es gedacht,
So zuckte seine Rute,
Das Fischlein zappelt dran,
Und ich mit regem Blute
Sah die Betrogne an.

Das ihr am goldnen Quelle
Der sichern Jugend weilt,
Denkt doch an die Forelle;
Seht ihr Gefahr, so eilt!
Meist fehlt ihr nur aus Mangel
Der Klugheit. Mädchen, seht
Verführer mit der Angel!
Sonst blutet ihr zu spät.

Christian Friedrich Daniel Schubart
Der Frühlingsabend

Kühlender Abend steige vom Hügel
Lieblich verguldet vom sonnigen Strahl;
Thaue von deinem purpurnen Flügel
Tropfen aufs durstige Blümlein im Thal.
Gluckt, Nachtigallen, zärtlich Lieder,
Reget ihr Weste euer Gefieder;
Schüttelt vom Baum
Seidene Pflaum!
Walle, o Duft! Vom Blüthenzweig nieder.

Hier auf der Erde blumigem Schooße
Ruh? ich! es ruhet mein Mädchen bei mir.
Meine Geliebte: Kennst du die große,
Kennst du die fühlende Freundin von dir?
Lieblicher Abend, lächle der Trauten!
Lächle der Schlanken, Himmlischgebauten!
Schöner war nicht
Florens Gesicht,
Als sie des Morgens Tropfen bethauten.

Hesperus äugelt hoch in der Ferne;
Ziehst du schon, Mond, am Sternenfeld auf?
Sieh doch, Geliebte, sieh doch die Sterne!
Sieh doch zur freundlichen Luna hinauf!
Doch seh? ich nicht im Auge der Milden
Thränen der Liebe schimmernd sich bilden?
Sind sie es nicht,
Die dein Gesicht,
Wie eines Engels Antlitz vergülden?

Lieblicher Abend, Erweicher der Herzen!
Dank dir, des Frühlings liebkosender Sohn,
Daß du geendigt zärtliche Schmerzen;
Sieh doch, die Holde umarmet mich schon!
Schmelzende Wonne flimmt in den Blicken -
Ach ich empfinde Himmelsentzücken.
Liebe, nur du
Wiegst uns in Ruh?;
Kannst, wie ein Gott, allein uns beglücken.

Christian Friedrich Daniel Schubart
Warnung an die Mädels

Es sah ein Mädel jung und zart
Einst einen Offizier.
Das Port d'Epée, die Achselschnur
Und seine modische Frisur  
Behagte trefflich ihr.

Willst mich? so fragt der Offizier
Das Mädel husch: – Ich will! –
Drauf war das Pärlein wohlgemut,
Auch ging's dem Weiblein anfangs gut,  
Sie hatte Hüll und Füll.

Solang der Krieger fechten kann,
Hält man ihn lieb und wert.
Doch wenn ihm Jugendkraft gebricht;
So wird des Fürsten Angesicht  
Gar bald von ihm gekehrt.

Taratara! ins Feld! ins Feld! –
Das arme Weiblein schreit;
Denn bald Kartätschenfeuer kam
Und schoß ihr liebes Männchen lahm,  
Bei aller Tapferkeit.

Da lag der lahme Krieger da,
Ihn heilte keine Kur;
Er hinkte nun am Krückenstab;
Der Fürst ihm seinen Abschied gab –  
Jedoch in Gnaden nur.

Das arme Pärchen wandert nun
Auf Bettelfuhren fort.
Doch endlich ging der lahme Held
Von einem Strohsack aus der Welt  
Und kam an bessern Ort.

Da jammert nun das arme Weib
Auf seinem Grab und spricht
«Ihr Mädels – alles in der Welt,
Nehmt Männer, wie es euch gefällt,  
Nur einen Kriegsmann nicht!»

Christian Friedrich Daniel Schubart