Sonntag, 7. Februar 2010

Die Erde

Die Erde

Die grüne Erde hat sich nun ergeben
all dem Gelb, Gold, Ernten,
Erdklumpen, Blätter, Korn,
aber wenn er aufsteht, der Herbst,
mit seiner großen Standarte,
bist du es, die ich sehe,
für mich ist's dein Haar,
das die Ähren austeilt.

Ich sehe die Monumente
aus altem, zerbrochenem Stein,
aber berühre ich
die steinerne Narbe,
so antwortet mir dein Körper,
meine Finger erkennen
plötzlich, erschaudernd,
deine warme Süße.

Unter den Helden geh ich umher,
denen, die eben ausgezeichnet wurden
durch die Erde und den Staub,
und hinter ihnen, stumm,
mit deinen kleinen Schritten -
bist du's, oder bist du's nicht?

Gestern, als sie aus Neugier
den alten Zwergbaum
mit der Wurzel ausrissen,
sah ich dich hervorschaun,
wie du mich ansahst aus den gequälten
und dürstenden Wurzeln.

Und wenn der Schlaf kommt,
mich auszustrecken und in mein
eigenes Schweigen mich zu führen,
erscheint ein großer, weißer Wind,
der meinen Schlaf zu Fall bringt,
und die Blätter fallen ihm ab,
fallen wie Messerklingen
auf mich, daß ich verblute.

Und jede Wunde hat
die Form deines Mundes.

Pablo Neruda