Sonntag, 22. November 2009

Erich Fried

Das Gute fliegt jetzt davon, dorthin,
wo alles nicht immer in die Vergangenheit fällt,
sondern täglich auf- und untergeht wie die Sonne.

Erich Fried,
österreichischer Schriftsteller

was es ist. .

Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe

Quelle: Erich Fried "Es ist was es ist. Liebesgedichte, Angstgedichte, Zorngedichte", Berlin 1996.

Nachtgedicht

Dich bedecken
nicht mit Küssen
nur einfach
mit deiner Decke
(die dir
von der Schulter
geglitten ist)
daß du
im Schlaf nicht frierst

Später
wenn du
erwacht bist
das Fenster zumachen
und dich umarmen
und dich bedecken
mit Küssen
und dich
entdecken

Quelle: Erich Fried "Liebesgedichte", Berlin 1995.





















Erich Fried
* 6. Mai 1921 in Wien;
† 22. November 1988 in Baden-Baden,
war ein österreichischer Lyriker,
Übersetzer und Essayist jüdischer Herkunft, dabei Atheist und Antizionist.