Samstag, 10. Oktober 2009

Die Kornelkirsche

Die Kornelkirsche
Lateinisch: Cornus mas,
auch Herlitze, Dürlitze, Hirlnuss, in Österreich auch Dirndl (Dirndling) beziehungsweise Dirndlstrauch, in der Deutschschweiz Tierlibaum genannt, ist eine Pflanzenart und gehört zu den Hartriegeln (Cornus).
Die Blütezeit dieses Strauchs liegt in Deutschland im März/April,
in der Regel sogar noch vor der Forsythie.
Kornellen soll man im fast überreifen, das heißt dunkel- bis schwarzroten Zustand ernten.
Sie sind dann süßer, weicher und lassen sich besser pflücken.
Auch die Steine lösen sich dann besser vom Fruchtfleisch.
Die Früchte reifen im August-Oktober nach und nach.
Etwa alle drei Tage erntet man durch Schütteln des Stammes oder der Äste oder indem man mit einer Stange gegen die Äste schlägt. Zur Vereinfachung des Aufsammelns sollte man vorher Tücher unter dem Baum ausbreiten. Der Ertrag kann von einem Jahr zum anderen stark variieren. Nach einer sehr reichen Ernte folgt häufig ein mageres Jahr.
Vom Kornelkirschenbaum wurde alles genutzt:
Blüten, Blätter, Rinde, vor allem aber das Holz und die Früchte.
Heute ist, zumindest in Deutschland, seine wirtschaftliche Bedeutung stark zurückgegangen; eine Rolle spielen noch die Früchte zur Herstellung von Edelobstbränden.
Auf dem Balkan sind sie im Herbst noch überall zu finden.

In dem um 1920 erschienenen Standardwerk Illustrierte Flora von Mittel-Europa von Gustav Hegi heißt es zur Verwendung der „Kirschen", sie würden entweder roh oder kandiert genossen oder mit Zucker oder Essig zu Kompott verarbeitet.
Auch Marmeladen, Gallerten und Fruchtsäfte ließen sich daraus bereiten.
Die Fruchtsäfte seien unter dem Namen Scherbet besonders im südöstlichen Europa beliebt, namentlich bei den Türken. Die Kornellen seien in der Türkei früher auch dazu benutzt worden, um den Fez, die traditionelle türkische Kopfbedeckung, rot zu färben.

Aus den Kirschkernen verfertige man billige Rosenkränze.
Die im Kern eingeschlossenen Samen könnten geröstet als Kaffee-Ersatz dienen und würden sich dann durch einen vanilleartigen Geruch auszeichnen.

Das sehr dichte und harte Holz des Kornelkirschbaums, das politurfähig und schwer spaltbar ist, diente vor allem in der Drechslerei und Wagnerei zur Herstellung von Werkzeugen, Radspeichen, Schusternägeln, Messergriffen, Hammerstielen, mathematischen Instrumenten und Kämmen, auch für Zahnräder in Mühlwerken. Da es aber stark schwindet, verlangte es sorgfältiges Trocknen.

Daneben wurde es zur Erzeugung von Holzkohle verwendet.
Rinde, Holz und Blätter enthalten Gerbstoffe, die zum Färben benutzt wurden.
Mit Alaun und Pottaschenlauge soll die Rinde eine braune Lackfarbe ergeben.
Die Borke eignet sich besonders zum Gerben.

Auch als Heilmittel gegen die verschiedensten Gebrechen haben sich Teile der Kornelkirsche (Früchte, Blüten, Blätter und Holz) einen Namen gemacht.
Noch heute findet man in der Heilmittelkunde den Begriff Fructus Corni (= Früchte des Kornelkirschenbaums) für eine Droge.
Schon in der Antike hatte der griechische Arzt Tabernaemontanus hinsichtlich der Kornelle erklärt: „Auch aus dem Fleisch wird mit Zucker eine wohlschmeckende Soße gegen Übelkeit gemacht; dazu dienlich ist auch der Saft aus der Frucht."
Zedler's Universal Lexicon von 1733 widmet ihrer Heilwirkung eine lange Spalte.
Unter anderem kühlen danach die „Cornell-Kirschen", sie „ziehen etwas zusammen und stopfen", wirken gegen die „rothe Ruhr" und gegen „Blut-speyen", geben bei „hitzigen Kranckheiten" kühlende Labung. Man verwendet die „Beeren" wie Oliven, macht einen „Cornell-Wein" daraus, der gegen „Bauch-Flüsse" genutzt wird.
Gegen diese helfen auch die gedörrten und zu Pulver gestoßenen Früchte.
Das aus dem Holz ausgezogene Öl „rottet den Krebs aus". Die „Beeren in Wein gekocht und getruncken" kurieren den Nierenstein. Die Blätter stillen das Bluten von Wunden.
Wegen ihrer Verwendung gegen die rote Ruhr trugen die Kornelkirschen auch den Namen „Ruhrbeeren".
Schon im 12. Jahrhundert hatte die Heilige Hildegard von Bingen in Physika, ihrem medizinischen Werk, ein Kapitel der Heilkraft der Kornelkirsche gewidmet,
dort „Erlizbaum" genannt.
Sie empfahl ein Bad aus Rinde, Holz und Blättern gegen die Gicht sowie die „Kirsche" für den Magen.

Wohl schon immer fand in Deutschland, zumindest in der südlichen Hälfte, die Kornelkirsche für Speisen und Getränke Verwendung.

So gab es in Baden den Brauch, dass am Fastensonntag die Burschen von ihren Mädchen mit dem „Kuechlestruß" bewirtet wurden: dünne Blütenzweige der Kornelkirsche, die in Teig getaucht und in kochendes Fett zum Backen gehalten wurden (Marzell, Kräuterbuch, 1922). Vom Anfang des 19. Jahrhunderts wird berichtet, dass die im Schatten getrockneten jungen Blätter vermischt mit jungen Sauerkirsch- und wilden Erdbeerblättern einen schmackhaften Tee ergäben.

Neuerdings besinnt man sich wieder auf den Wert von Wildfrüchten und damit auch auf die Kornellen.
Sie enthalten 8–9 Prozent Zucker (vorwiegend Traubenzucker und Fruchtzucker)
sowie 2–3 Prozent freie Säuren, vor allem Apfelsäure.
Wegen ihres hohen Gehalts an Vitamin C (70–125 mg je 100 g Frischsubstanz)
finden sie speziell als Vitaminspender Verwendung.

Inzwischen gibt es eine Anzahl Neuzüchtungen mit viel Fruchtfleisch.
Das Bundessortenamt gab in seiner Beschreibenden Sortenliste Wildobst von 1999 eine sehr positive Darstellung der Verwertungsmöglichkeiten von Kornellen:

Vollreife Früchte als Vitamin-C-reiche Rohkost (auch nach erster Frosteinwirkung);
Früchte für Tiefkühlung mit Verarbeitung im Winter geeignet.
Herstellen von Trockenprodukten ist in der Sonne oder bei künstlicher Wärme möglich.
Säfte, Süßmost sind sehr erfrischend.
Likör, Wein von ausgezeichnetem Geschmack, ebenso in Alkohol eingelegte Früchte, von hervorragender Qualität sind Sirup, Gelee und Konfitüre.
Marmelade kann mit säurearmen Fruchtarten wie Birne, Apfel, Holunder, Zwetsche sowie Melone und Kürbis zusammen hergestellt werden.
Verarbeitungsprodukte weisen eine schöne rosarote Färbung auf.

Na dann! Mal beim Türken vorbeischauen oder aber die Natur beobachten wo die Kornelkirschen noch zu finden sind.

Links:
Dirndltal.at

Cornelissen.de - Kornelkirschen

MDR-Garten

BR-Online Aschenbrenner - Kornelkirsche