Freitag, 11. September 2009

Pilz Zeit : aus einem Artikel der STN-Teil 1.

Auch bei der größten Freude sollte man beim selber sammeln stet achtsam sein und bei unbekannten Waldfrüchten lieber verzichten, weniger ist mehr.

Giftig oder essbar? das ist die Frage: Pilze sind eine gefährliche Delikatesse! also es ist wie immer Vorsicht geboten. Morchel, Steinpilz, Pfifferlinge, Herbst oder Totentrompeten sind auch auf dem heimischen Markt oder beim Feinkosthändler zu erwerben.

Giftig Der Fliegenpilz:
Er ist sicherlich der bekannteste Giftpilz.
Seine schädlichen Bestandteile wirken nicht tödlich,
sondern erzeugen starke Rauschzustände und Halluzinationen.
Fliegenpilz: Nicht immer sind Giftpilze so gut erkennbar.
Foto: schuettelmoehre - Fliegenpilz.

Stuttgart -
Rund 5000 Pilzarten mit Hut und Stiel wachsen in unseren Wäldern.
Die meisten können mit Genuss gekocht und verspeist werden.
Ein Irrtum beim Sammeln des Fleischs des Waldes kann im günstigsten Fall zur Magenverstimmung führen, aber auch tödlich enden.

Jetzt streifen sie wieder durch die Wälder und halten nichts von der Konfuzius-Weisheit, nach der der Weg das Ziel ist. Sie tragen einen leichten Spankorb mit sich herum und meist ein scharfes Messer. Ihr Blick ist starr auf den Boden gerichtet, denn dort wachsen die Objekte ihrer Begierde: essbare Pilze. Entdecken sie gar einen schönen Steinpilz, dem weder die Maden noch die Schnecken zugesetzt haben, hüpft das Herz vor Freude. Das Jagdglück ist vollkommen, der Sammeltrieb befriedigt.

Oder doch nicht?
"Es gibt ausgesprochene Raffzähne unter den Sammlern", bedauert Ernst Dittrich.
Der Vorsitzende des Pilzvereins Stuttgart, ein geprüfter Mykologe und Pilzsachverständiger, warnt davor, die schmackhaften Kappen großflächig abzuräumen.

Erstens betreiben solche Sammler für Dittrich Frevel an der Natur, und zweitens kommt der Sammler mit dem Gesetz in Konflikt. "Es ist nicht erlaubt, mehr als "ein Kilo Pilze" aus dem Wald zu tragen", erinnert der Experte an die Vorschriften.

Ein anderer Aspekt, der zur Zurückhaltung beim Sammeln mahnt:
Die heutigen Ernährungsgewohnheiten machen Pilze zu einer delikaten Beilage, aber nicht zu einem Hauptgericht. Wegen ihrer speziellen Eiweiße seien Speisepilze schwer verdaulich, klärt der Sachverständige auf. Selbst der beste Speisepilz könne bei empfindlichen Naturen zu Unwohlsein oder allergischen Reaktionen führen, wenn er in zu großen Mengen gegessen werde.

Im Hinblick auf die chemische Zusammensetzung der Kappenträger rät Dittrich dringend davon ab, Pilze roh zu verzehren. "Auch wenn es Spitzenköche immer wieder empfehlen - ein Steinpilz-Carpaccio ist der blanke Unsinn", schimpft Dittrich. Pilze gehören für ihn stets gut gegart - mindestens eine Viertelstunde lang müssen sie köcheln.

Die größte Gefahr, sich mit Pilzen die Gesundheit zu schädigen, lauert allerdings im Wald selbst.

Unter den 5000 Pilzarten, die bei uns vorkommen, gibt es jede Menge ungenießbare,
rund 100 Arten führen, wenn sie verzehrt werden, zu bedrohlichen Erkrankungen,
und zehn wirken absolut tödlich.

Allerdings gibt es auch für unerfahrene Pilzsammler eine gute Möglichkeit, dieser Gefahr auszuweichen: die Pilzberater.

Experten stellen sich dafür ehrenamtlich zur Verfügung.
Und wer noch tiefer in die Materie eindringen will, nimmt an den Führungen des Pilzvereins
teil oder besucht die Sitzungen des Arbeitskreises. (Am heimischen Ort nachschauen wo es so etwas gibt). Und "dort lernen auch alte Hasen etwas dazu", denn dazu lernen kann man ja immer.

Pilz - Bilder:
Essbar Spitzmorchel:
Dieser Pilz hat nicht im Herbst Saison, sondern im zeitigen Frühjahr.
Morcheln aus den hiesigen Auwäldern
erreichen Spitzenpreise von bis zu 600 Euro das Kilo.
Essbar Herbsttrompete:
Sammler im Anfängerstadium lassen diesen Pilz bestimmt links liegen – so hässlich ist er.
Dabei handelt sich um einen der besten Speisepilze, die der Wald zu bieten hat.

Essbar Pfifferling:
Schön gelb und äußerst schmackhaft.
Der Pilz wächst vorwiegend in Fichtenwäldern.
In unseren Breitengraden macht er sich in jüngster Zeit rar.
Die Luftverschmutzung setzt dem Pfifferling zu.

Ungenießbar Gelbbrauner Schleimtrüffel:
Der Name klingt nicht besonders appetitlich - und daran sollte man sich orientieren.
Der Gelbbraune Schleimtrüffel ist ungenießbar.
Ungenießbar Gallenröhrling:
Diese Art ist der klassische Doppelgänger des Steinpilzes.
Ausgebuffte Sammler empfehlen eine Leckprobe, um den bitteren Unterschied festzustellen.
Essbar Austernseitling:
Den Pilz gibt es aus der Zucht in jedem Supermarktregal.
In der Natur wächst er vor allem in Laubwäldern – bevorzugt an Rotbuchen.

Ungenießbar Gelbwolliger Schirmling:
Alle Schirmlingsarten sind ungenießbar bis giftig.
Die Bezeichnung gelbwollig rührt von den feinen, Wolle ähnlichen Fasern am Stiel her.

Ungenießbar Hainbuchen-Milchling:
Im Gegensatz zum Hainbuchen-Röhrling handelt es sich beim Milchling
um einen Pilz mit Lamellen. Viele Pilze dieser Art sind ungenießbar.
Stehenlassen.

Essbar Hainbuchen-Raufuß:
Der grubig-runzelige Hut ist karamellfarben und dunkler
als beim ähnlichen Birkenröhrling.
Typisch ist, dass sich sein Fleisch schwarz verfärbt,
wenn es angeschnitten wird.
Der Pilz sucht, wie der Name sagt, die Nähe von Buchen.

Hochgiftig! Grüner Knollenblätterpilz:
Mit diesem Pilz wurden schon Kaiser und Könige ins Jenseits befördert.
Bereits eine Menge von 50 Gramm des Gewächses wirkt absolut tödlich.

Giftig Kastanienbrauner Schirmling:
Das Gift des Kastanienbraunen Schirmlings
führt erst zu Magen-Darm-Problemen und schädigt die Leber.
Schirmlinge sollten grundsätzlich nicht gesammelt werden,
alle Arten sind entweder ungenießbar oder giftig.

Weiter Teil 2:
Fotos: Ingeborg Dittrich
STN 28.08.09 (Stuttgarter Nachrichten)