Dienstag, 15. September 2009

Georg Rodolf Weckherlin

Georg Rudolf Weckherlin
eigentlich Georg Rodolf Weckherlin, deutscher Schriftsteller
geboren am 15. September 1584 in Stuttgart, starb am 13. Februar 1653 in London.

Georg Rodolf Weckherlin
Stich nach einem Gemälde von Daniel Mytens, 1634.

Weckherlin studierte 1599 bis 1604 Jura in Tübingen und unternahm Bildungsreisen durch Deutschland, Frankreich und England. 1606 trat er in den württembergischen Staatsdienst ein. Ab 1607 war er mit mehreren Unterbrechungen bis 1617 in England, wo er sich mit Elizabeth Raworth verlobte und vermutlich seine ersten Verse verfasste. Seit 1616 war er Sekretär und Hofdichter des Herzogs Johann Friedrich von Württemberg.

1620 ging er erneut nach England, wo er ab 1626 Privatsekretär des englischen Außenministers Lord Conway wurde. Unter Oliver Cromwell schied er 1649 aus dem Staatsdienst aus und eventuell half er seinem Nachfolger John Milton während einer Übergangszeit bei der Einarbeitung.

Weckherlin verstarb 1653 hochangesehen in London.
Sein Enkel war Sir William Trumbull, ein Jugendfreund von Alexander Pope.


Von dem neuen Garten zu Stuttgart - 1615.

Kanst du glückseliger wol sein,
o du gesegnet schöner garten?
du darfest auf den sonnenschein
nicht wie sunst andre gärten warten,
dan deiner eignen sonnen glanz
kan dich und die gewächs erlaben,
und deine gäng, stöck und bäum ganz
mit gnug bequemer zeit begaben.

Der frühling ihres angesichts
kan dich mit gilg und rosen zieren,
daß dir an blumen mangle nichts,
wan schon all gärten sunst gefrieren:
so wird dein grund mit grünem lust,
wa sie nur ihren fuß hinsetzet,
wie deine zweig und äst mit blust
und frucht durch ihre hand, ergetzet.

Und sie in dir macht, daß ab dir
sich himmel, luft und erd erquicken
und daß du, aller gärten zier,
sie all mit blumen kanst beglücken;
ja, wan sie, aller blumen ruhm,
was in dir wachset will betrachten,
kan man kaum gegen solcher blum
wie gras all deine blumen achten.

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Bestätigung der lieb


Daß ihr von vilen seid geehret,
daß ihr von vilen werd begehret,
mag wol wahr sein;
daß aber ihr der andern seelen
könt so sehr, als die meine, quälen,
hat keinen schein.

Daß vil schönheiten hie auf erden
gelobet und verwundert werden,
mag wol wahr sein;
daß aber eine auch aus allen
den göttern mög, wie ihr, gefallen,
hat keinen schein.

Daß einer, der euch nur ersehen,
wöll euern dienst stracks undergehen,
mag wol wahr sein;
daß aber ihr möcht einen finden,
den ihr so hart, als mich, könt binden,
hat keinen schein.

Daß auch durch eure süße sitten
ich nicht allein vil müh erlitten,
mag wol wahr sein;
daß aber darum andre herzen
dem meinen leiden gleiche schmerzen,
hat keinen schein.

Daß, endlich solche pein zu fliehen,
sich meine vernunft wöll bemühen,
mag wol wahr sein;
daß aber von so schönen händen
ich mich zu andrer dienst könd wenden,
hat keinen schein.

Daß der tod allein meine klagen
und euern hochmut werd ertragen,
mag wol wahr sein;
daß aber sich durch das beleiden
mein herz wöll und könd von euch scheiden,
hat keinen schein.

Aus deutsche Gedichte eine Anthologie : Georg Rodolf Weckherlin
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