Donnerstag, 25. Juni 2009

Vom Hering & vom Hahn

Vom Hering

Der Hering ist ein salzig Tier,
er kommt an vielen Orten für.
Wer Kopf und Schwanz kriegt, hat kein Glück.
Am besten ist das Mittelstück.

Es gibt auch eine saure Art,
in Essig wird sie aufbewahrt.
Geräuchert ist er alle Zeit
ein Tier von großer Höflichkeit.

Wer niemals einen Hering aß,
wer nie durch ihn von Qual genas,
wenn er mit Höllenpein erwacht,
der kennt nicht seine Zaubermacht!

Drum preiset ihn zu jeder Zeit,
der sich der Menschheit Wohl geweiht,
der heilet, was uns elend macht,
dem Hering sei ein Hoch gebracht!

Heinrich Seidel

Heinrich Seidel
Geboren am 25. Juni 1842 in Perlin Mecklenburg
gestorben am 7. November 1906 in Großlichterfelde.

Seidel war der Sohn eines Pfarrers.
Er studierte von 1860-1862 am Polytechnikum in Hannover, ab 1866 an der Gewerbeakademie in Berlin. Ab 1868 war er Ingenieur in einer Maschinenfabrik in Berlin.
Seidel konstruierte als Ingenieur die Bedachung des Anhalter Bahnhofs (Berlin).
Seit 1880 lebte er als freier Schriftsteller und schilderte in Erzählungen die idyllischen Seiten des bürgerlichen Lebens.
Vom Hahn

Ich wünscht ich wär ein Gockelhahn,
Dann säß ich auf dem Zaune,
Und krähte meine Hühner an,
in aller bester Laune

Ich wünscht ich wär ein Kirchturmhahn,
dann säß ich auf dem Turme
Schaut' mir die Welt von oben an
und drehte mich im Sturme

Und wenn ich gar ein Fasshahn wär,
und wär das Faß am laufen
würd' ich ganz und schrecklich sehr
mich tag und nacht besaufen.