Sonntag, 31. Mai 2009

Heilkräuter - Frauenmantel

Frauenmantel
Alte Überlieferungen berichten, der Frauenmantel erhalte die Jugendlichkeit der Frau und schütze sie vor dunklen Mächten.
Fakt ist jedoch, dass die Pflanze erfolgreich zur Behandlung von Hormonstörungen bei Mensch und Tier eingesetzt wird. Desweiteren liefert sie einen leuchtend grünen Farbstoff für Wolle.

Der Frauenmantel ist ein Wundkraut,
das höchste Wertschätzung genießt
und bei allen Wunden
äußerliche und innerliche
Anwendung findet.

(Nicholas Culpeper 1653)

Der Frauenmantel
Lateinisch: Alchemilla ist eine Pflanzengattung der Familie der Rosengewächse (Rosaceae), die in Europa, Asien und Afrika verbreitet ist und vorwiegend in den Gebirgen wächst. Stark behaarte Formen werden auch als Silbermantel bezeichnet. Sie sind krautige bis strauchförmige Pflanzen, ihre Blüten sind klein, unscheinbar und kronblattlos. Die Fortpflanzung erfolgt überwiegend, bei den europäischen Arten fast ausschließlich, agamosperm (über ungeschlechtliche Samenbildung). Von den etwa 1000 Arten sind rund 300 in Europa heimisch. In Europa wurden die Arten als Volksarzneipflanzen verwendet. Einige Arten liefern ein gutes Viehfutter, sehr wenige werden als Zierpflanzen kultiviert.
Nutzung
Die ganzblättrigen Arten bilden ein gutes Mähfutter. Sie werden auch frisch gerne vom Vieh gefressen, weniger gern vom Geflügel. Die alpinen Zwergsträucher hingegen gelten als Weideunkraut, da sie häufig Massenbestände bilden und nur von Schafen und Ziegen gefressen werden, nicht von anderem Vieh.

In der Volksmedizin werden die Arten zur Behandlung von Wunden, Blutungen, Frauenkrankheiten, Geschwüren, Bauchschmerzen, Nierensteinen, Kopfschmerzen und anderen Beschwerden verwendet.

Dabei werden alle mitteleuropäischen Arten als Volksarzneipflanzen und als Kult- bzw. Zauberpflanzen verwendet. Volkstümlich wird bei den Frauenmänteln dabei nur zwischen dem (behaarten) „Silbermantel" oder „Alpen-Sinau" und dem eher kahlblättrigen „Frauenmantel" unterschieden.

Behaarte Arten werden in Steingärten und Parks als Zierpflanzen verwendet. Beispiele sind Alchemilla mollis, das jedoch leicht zum Unkraut entarten kann, Alchemilla speciosa und Alchemilla conjuncta (häufig als Alchemilla splendens bezeichnet).

Namen und Volksnamen
Der Name Alchemilla leitet sich vom Begriff Alchemie ab und wurde erstmals 1485 im Gart der Gesundheit verwendet. Er bedeutet soviel wie kleine Alchemistin. Die Alchemisten verwendeten die Guttationstropfen auf den Blättern für ihre Versuche.
Der deutsche Name „Frauenmantel" bezieht sich auf die Ähnlichkeit der gefältelten Blätter mit mittelalterlichen Mariendarstellungen. In Nassau und im Böhmerwald heißt es auch „Liebfrauenmantel". Alchemilla alpina und ähnliche Arten werden als „Silbermänteli", „Silberchrut" oder ähnlich bezeichnet. Auf die gefältelten Blätter beziehen sich Namen wie „Zugmantel" (in Schlesien), „Krausemäntelchen" (Oberharz) und „Röckli" (Schweiz). Ebenfalls auf die Blattform spielen Namen wie „Hiadl" (Böhmerwald), „Dächlichrut" (Schweiz) oder „Regendächle" (Schwaben) an. Die Guttationstropfen führten zum Namen „Sinau" (von Sinn-Tau = Immertau), „Taublatt", „Taubecher" usw. Die Blätter werden auch mit Gänse- und mit Löwenfüßen verglichen. Nach ihrem Standort auf Weiden werden sie zudem als „Schweinsrose" (Ostpreußen) und „Gänselgrün" bezeichnet. Ihre Verwendung als Arzneipflanze schlug sich in Namen wie „Ohmkraut", „Wundwurz" (Kärnten), „Mutterkraut" und „Allerfrauenheil" nieder.

Guttation
ist ein Vorgang der Abgabe von Wasser im flüssigen Zustand bei Pflanzen und Pilzen.
Alchemilla vulgaris / Frauenmantel: Blatt mit Guttationstropfen
Dabei wird bei extrem reichlicher Wasserversorgung und höherer Luftfeuchte, die eine vollständige Transpiration behindert, Wasser über Hydathoden, das sind spezielle Varianten der Stomata, an den Blattzähnen bzw. Blattspitzen in Tropfenform abgegeben. Guttationen treten besonders auf, wenn der Boden sehr feucht und wärmer als die Luft ist und zudem noch eine hohe Luftfeuchtigkeit besteht. Für die Pflanzen ist es dann unmöglich, Wasser zu verdunsten. Sie drücken dann überschüssiges Wasser durch die Spaltöffnungen nach außen.