Sonntag, 3. Mai 2009

Der Tag

Der Tag
niemand weiß
was er gibt
niemand weiß
was er nimmt.

Erst der Abend
lehrt uns ihn
zu begreifen.

Ein selbstgeschaffenes
übel ist das
verschwinden des
Mutes und der Kraft,
ein leeres vorurteil
ist das Alter, die
schmöde Furcht vor
dem trüben Wahn,
daß der Geist
abhänge vom Körper.

Ungeschwächt will
ich den Geist bringen
nimmer soll der
frische Lebensmut
mir vergehen was
mich jetzt erfreud
soll mich immer erfreuen.

Stark soll mir bleiben
der Wille und nichts
soll mir entreisen
dem Zauberschlingel
der die Geheimnisvoller
Tore höheren Welt
mir öffnet und nimmer
soll mir verlöschen
das Feuer der Liebe.

Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher