Samstag, 14. März 2009

Kunst und Gedichte

Jean Baptiste Armand Guillaumin
Hohlweg im Schnee 1869

Preislied auf das Schneien

I
Könnt' ich schneien,
bliebe stumm;
aber muß verzichten.
Kann nicht schneien,
muß darum
übers Schneien dichten.

II
Nicht den Schnee - das Schneien will ich singen.
Schneien: reine Tätigkeit der Ruh.
Deinem friedlich flüsternden Vollbringen
sieht ein einsames Erinnern zu.

Eingehüllt in lauter leise Nähe
ist die wehe Weite nicht mehr weit.
Blindes Fenster spricht: mir ist, ich sehe
nichts, mich selber, alles, und vergehe
schneiend, schneegeworden, schneeverschneit.

III
Stille, helle Mitternacht des Ohres,
sichtbar niederflockend auf die Welt!
Lobgesang des stummen Wirbelchores!
Jede deiner weißen Noten fällt
windgewiegten Schlafes niederschwebend
willig in ihr weiches Wintergrab;

jede legt vergessend und vergebend,
im Verschwinden vorm Verschwinden bebend,
federfromm ihr leichtes Leben ab.

Peter Gan