Montag, 16. März 2009

Heimweh

Heimweh

Auf dem Berg steht mein Haus
leicht zu sehn von der See
Seine Wände sind Wunden

Auf dem Berg steht mein Haus
auf dem Berg ohne Brunnen
ohne Trunk für den Durst
Seine Fenster sind Fieberaugen

Auf dem Berg steht mein Haus
eine Fahne im Land
aber dürr aber krank
Seine Fenster sind durstige Augen
Seine Treppen sind pochende Pulse

Auf dem Berg steht mein Haus
in der zornigen Sonne
Wenn der Wind Funken trägt
muß es verbrennen
Wenn der Wind Flocken trägt
muß es erfrieren
Eine kranke Fahne
ist mein Haus auf dem Berg

Auf dem Berg steht mein Haus
daß ich es sehe
Pochende Pulse sind seine Treppen
die ich nicht steige
Durstige Augen sind seine Fenster
die ich nicht öffne

Wenn der Wind Flocken trägt
fühl ich mich frieren
Wenn der Wind Funken trägt
fühl ich mich brennen
leicht zu sehn von der See
krank eine dürre Fahne
in meinem Haus auf dem Berg
wo ich nicht bin

Erich Fried