Sonntag, 15. März 2009

Hegels Schwester

Buchvorstellung -
Auszug Vahinger Blättle:

Über Christiane Hegel (1773-1832), die Schwester des Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel, war bisher wenig bekannt. Dass dies nun anders ist, verdanken wir der Historikerin Dr. Alexandra Biegert. Sie recherchierte im Lebensumfeld von Christiane Hegel, durchsuchte Archive nach Spuren ihres Lebens und fand sie in Protokollen, Gutachten und Briefen. Daraus entstand ein Buch, das uns bis-her unbekannte Einblicke in das Leben einer gebildeten Frau des 18. Jahrhun-derts ermöglicht.

Die Autorin Dr. Alexandra Birkert ist in Stuttgart geboren und lebt seit etwa 20 Jahren auf der Rohrer Höhe. Ihr Inte-resse galt von Anfang an Lebensge-schichten aus Stuttgart. Obwohl ihre Söhne das Hegelgymnasium besuchen und ihr der Name Hegel daher sehr geläufig ist, stieß sie bei ihren Recher-chen eher zufällig auf die bisher wenig bekannte Christiane Hegel. Bei einer Lesung im Vaihinger Buchladen sprach die Autorin über die Entstehung des Buches und natürlich über Christiane Hegel, die als einzige von drei Schwestern das Säuglingsalter überlebte . Sie verbrachte zwei Drittel ihres Lebens in Stuttgart und wohnte mit ihrer Familie in der Langestr. 7., in einem Haus, das im 2. Weltkrieg zerstört wurde. Das Geburtshaus in der Eberhardstraße war nicht das Wohnhaus der Familie Hegel.

Sie hatte Kontakt zu vielen bekannten Persönlichkeiten der Zeit, wie Hölderlin, von Sinclair, Friedrich Sucher und Wil-helm Hauff, bis hin zu Schiller reichten ihre Kontakte. Eduard Schelling war ihr Arzt.

Mit etwa 26 Jahren pflegte Christiane Hegel ihren kranken Vater, während die Brüder in Frankreich waren. Später arbeitete sie in Schloss Berlichingen. Als Gouvernante der 5 Töchter war sie damals nicht nur Erzieherin sondern auch Lehrerin. Da Berlichingen sehr gebildet war, stellte er auch hohe Ansprüche an die Bildung von Christiane Hegel.

1814 erfolgte die Pensionierung. Chris-tiane Hegel bekam eine Pension von den Berlichingens bis zum Tod, sie lebte aber auch vom Verkauf des Eltern-hauses. Nach der Pensionierung ließ sie sich zunächst in Aalen nieder. Hier zählte sie zu den Gründerinnen eines Wohltätigkeitsvereins und förderte eine Strickschule für arme Kinder.

1820 wurde Christiane Hegel in die damalige Irrenanstalt in Zwiefalten über-führt. Nach 15 Monaten galt Christiane Hegel als geheilt. Nach 20 Jahren kehrte
sie in ihre Heimatstadt Stuttgart zurück und arbeitete dort als Privatlehrerin. Sie konnte alte Freundschaften wieder aufnehmen, war aber weiter durch die Abhängigkeit von teuren Medikamenten und von Existenzängsten geplagt. Schließlich nahm sich Christiane Hegel bei einem Spaziergang in der Nagold das Leben.

Bis hin zur großen Liebe erfahren die Leserinnen und Leser viel bisher Unbe-kanntes aus dem Leben von Christiane Hegel. Die Spurensuche zeigt, dass eine unglückliche Liebe den Ausschlag für ihren Selbstmord gegeben hat und nicht der Tod des berühmten Bruders.

Die Autorin blickt im Buch immer hinter die Kulissen und ermöglicht so Einblicke in die Geschichte. Sie macht Geschichte erlebbar und lässt dabei eine faszinierende Frau lebendig werden.

Das Buch wurde gefördert von der Stadt Stuttgart und der Real Estate Stiftung und nach seiner Veröffentlichung im Herbst 2008 zunächst im Hegelhaus u.a. im Beisein der Schulleitung des Hegelgymnasiums und der Familie von Berlichingen vorgestellt.

(Alexandra Birkert, Hegels Schwester - Auf den Spuren einer ungewöhnlichen Frau, Jan Thorbecke Verlag,
ISBN: 978 3-7995-0196-5 Pick It! )

Beschreibung:
Nach dem frühen Tod ihrer Mutter als einzige Frau unter Männern aufgewachsen, später für die Erziehung der Töchter aus dem Haus von Berlichingen zuständig, eingeliefert in die Staatsirrenanstalt Zwiefalten und zum Schluss der Freitod in der Nagold - so lässt sich das Leben Christiane Hegels in groben Zügen skizzieren. Doch warum wissen wir nur so wenig von der einzigen Schwester des bedeutenden Philosophen, deren Schicksal so tragisch endete Warum landete sie in der Irrenanstalt, während ihr Bruder in Preußen Karriere machte Anhand zahlreicher neu entdeckter Quellen zum Leben Christiane Hegels und ihres berühmten Bruders folgt Alexandra Birkert den Lebensspuren einer faszinierenden Frau, die Briefe schmuggelte, Latein sprach und Kontakt zu vielen berühmten Persönlichkeiten ihrer Zeit hatte. So ergibt sich aus kleinen Puzzlestücken nicht nur das Leben einer bemerkenswerten Frau, sondern auch ein lebendiges Bild der unruhigen Jahre am Ausgang des 18. Jahrhunderts in Württemberg.

· Neue Aspekte aus dem Leben des großen Philosophen
· Der spannende Lebensweg einer mutigen Frau
· Fesselnd und packend erzählt
· Neue Quellenfunde erstmals ausgewertet

Meine Information aus dem Internet zu Christiane Hegel:
Hegel Studien, Inhaltsverzeichnisse der Bände 1-32 (im Aufbau)
Band 22. 1987.

I. «An Mademoiselle Christiane Hegel«. Ein unveröffentlichter Brief Hegels und ein Briefkonzept des Dekans Göritz (H.-Ch. Lucas). F. Nicolin: J. P. Hebels «Schatzkästlein« als Schülerprämie an Hegels Gymnasium. Eduard Gans' Briefe an Athanase Jourdan (N. Waszek). Zwei Hegel-Nachschriften von J. E. Erdmann (B. Tuschling). II. M. Giusti: Bemerkungen zu Hegels Begriff der Handlung. J. P. Vincenzo: The nature and legitimacy of Hegel's critique of the Kantian moral philosophy. N. Rotenstreich: Can there be a religion of reason? H. Schnädelbach: Hegel und die Vertragstheorie. G. Falke: Hegel und Jacobi. Ein methodisches Beispiel zur Interpretation der Phänomenologie des Geistes. J. Kulenkampff: Musik bei Kant und Hegel. O. Breidbach: Hegels Evolutionskritik. U. Ruschig: Chemische Einsichten wider Willen. Hegels Theorie der Chemie. O. Pöggeler: Westdeutsche Zentren in der Umbruchszeit um 1800. III. Literaturberichte und Kritik. Bibliographie: Hegel-Forschung 1984