Freitag, 27. März 2009

Das Leben

Das Leben

Wie bist du hergewachsen, du?
Im Garten, im Wald, im Feld?

Bist du ein Schlinggewächs, ein Traum,
Bist wildes Kraut, voll Hexenduft,
Bist eine Blum voll Himmelsruh
Oder ein Baum
Wach und wehend in breiter Luft?

Wie bist du auf der Welt?

Ich weiß nicht, wie auf der Welt ich bin.
Oft mein ich, ich war ein Traum.
Ich rank und schwanke her und hin
Und spür meinen Atem kaum.

Oft bin ich als Blume hingestellt,
Und die Sonn küßt mich auf und zu,
Und Hexenkraut bin ich in schwarzer Kluft
Und dann wieder ein Baum,
Sicher mich rührend in klarer Luft,
Die Wurzeln tief in der Erde Gruft
Und das Haupt umhellt.

Ich weiß nicht, wie auf der Welt ich bin
Und bin auf der Welt doch gern.
Ich leb so hin, ich sterb so hin,
Wie Ros im Garten, wie Mohn im Feld.

Oft graut mir vor dem goldnen Sinn,
Des ich doch nie teilhaftig bin
Auf diesem fremden Stern

Eugen Roth